Grünschnabel hat recherchiert, was der Pöstlingberg an Natur- und Kulturbesonderheiten zu bieten hat.

Als Linzer kennt man den Pöstlingberg, weiß vielleicht sogar, dass die Bergbahn die steilste Adhäsionsbahn Europas ist, hat mit den Kindern schon unzählige Runden mit der Grottenbahn gedreht, anschließend Rehlein im Waldgraben geschaut und ist im Winter die Schlitten-Wiese hinuntergeflitzt.

Die Pöstlingbergkirche als Wahrzeichen von Linz ist ohnehin bekannt. Aber dass es über diesen geschichtsträchtigen Felsen, seine Gebäude, Fauna und Flora noch viel mehr Interessantes zu erfahren gibt, darüber hat sich Grünschnabel kürzlich schlau gemacht.

Wie ein steinernes Band durchziehen Mauern den Pöstlingberg rund um die Endstation der Bergbahn, die in einem ehemaligen Pulverturm untergebracht ist. Diese militärischen Festungsanlagen stammen aus der Biedermeierzeit und wurden damals zum Schutz von Linz gebaut. Nur – sie sollten eigentlich nie gebraucht werden. Das Kuriose daran ist, dass jetzt in diesen ehemaligen Kriegsanlagen die Linzer Attraktion für Kinder und Familien untergebracht ist: die Grottenbahn.

Aber nicht nur die Kleinen fahren ab aufs Zwergerlschnäuzen: Michael Jackson war bei seinem Besuch so begeistert, dass er – so erzählt man sich – die Grottenbahn auf seiner Ranch nachbauen wollte. Heutzutage drehen chinesische Geschäftsleute begeistert ihre Runden mit dem fauchenden Drachenzug. Diesen gibt’s bereits seit 1906, damals noch ohne Zwergerl. Als im Zweiten Weltkrieg eine Bombe das Innere der Grottenbahn zerstörte, wurde es von der Künstlerin Friederike Stolz neu gestaltet – die Zwergerl waren geboren.

Der anschließende Rehgraben ist der natürlichste Teil des Waldes am Pöstlingberg, wo sich Parkanlagen mit ursprünglichem Bewuchs den Raum teilen, meist abgetrennt durch eine Hainbuchen-Hecke. Dieses gartengestalterische Element ist historisch und stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert. Eher neueren Datums ist der kleine Naschgarten mit Ribisel und Himbeeren neben dem Kletterspielplatz. Hier darf nach Herzenslust genascht werden.

Dieser Teil des Pöstlingbergs ist wie ein Park gestaltet, mit schönen Gehölzen wie japanischem Ahorn, Rhododendren und Blumenrabatten. Im Rehleinwald hingegen wird so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen. Der Spazierweg ist gesäumt mit duftenden Linden, ansonsten findet man viele Buchen, Hainbuchen, Blutbuchen, Fichten und Lärchen. Wenn heuer die Bäume ein bisserl zerrupft wirken, dann liegt das an der Trockenheit.

Immerhin ist das ganze Gelände hier eigentlich ein Felsen aus Granit- und Gneisgestein mit nur wenig Erde darauf und dementsprechend wenig Wasser, wo es die Vegetation nicht so leicht hat. Weil es auch die Rehe im Graben auf Dauer nicht so schön haben, werden diese vom Jäger immer wieder ausgetauscht. Sie sind eben eine liebgewonnene und unverzichtbare Attraktion.

Apropos Wasser: Auch einige Quellen gibt es hier, deren Wasser als heilkräftig gilt. Da ist die Meinung aber zwiespältig, manche meinen, die Quellen seien nicht sehr tief und könnten eventuell viele Keime enthalten, andere schwören auf ihre gesunde Wirkung. Um Heilung ging es auch den Pilgern, die bereits im 18. Jahrhundert zum Einsiedler auf den Berg pilgerten, um beim Gnadenbild zu beten.

So wurde genau hier dann die Wallfahrtskirche gebaut, zu der heute noch gepilgert wird.
Dass der Pöstlingberg in den 70ern imagemäßig total out war, kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Ein Ausflug auf den Linzer Hausberg ist für Groß und Klein immer wieder eine spannende Entdeckungsreise. Wer findet zuerst die über hundertjährige Buche – und wieviel Arme braucht’s, um sie zu umarmen – oder die zusammengewachsene Buche mit dem Guckloch darin? Und wie oft bist du schon achtlos an dem Stein mit dem Gedicht über den Pöstlingberg vorbeigelaufen, ohne es zu bemerken? Also: „Nimm Hut und Schal, mein schönes Kind, und mach‘ dich auf den Weg!“

• Veranstaltungstipp: Ausstellung „Stadtoasen. Linzer Gärten, Plätze und Parks“ im Nordico, Linz, noch bis 2. September 2018

 

Daniela Christl