Spielen feuert die grauen Zellen an

Foto: Fotolia/cromary

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Im Spiel entfalten Kinder ihre Potenziale, sie erfahren Lebendigkeit. Das Gehirn läuft zu Hochform auf, wenn wir es spielerisch nutzen. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. „Rettet das Spiel!“, lautet deshalb der glühende Appell von Hirnforscher Gerald Hüther in seinem neuen Buch. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagte schon Friedrich Schiller. Und auch Neurobiologe Gerald Hüther sieht im Spiel ein „Feuerwerk für die grauen Zellen“, wie in seinem neuen Buch zu lesen ist, das er mit Christoph Quarch gemeinsam geschrieben hat. Eigentliches, lebendiges Menschsein ereignet sich demnach im Spiel. Beim selbstvergessenen, zweckbefreiten Spielen jedoch erfahren wir die eigene Lebendigkeit, erleben Verbundenheit, erkunden die eigenen Möglichkeiten und entfalten unser kreatives Potenzial. Aus Sicht der Gehirnforschung verringert sich beim Spielen die Tätigkeit jener Gehirnregion, die für Angst zuständig ist. Gleichzeitig kommt es zu einer verstärkten Aktivierung jener neuronalen Netzwerke, die gebraucht werden, um die Herausforderung des Spiels zu meistern. Je komplexer das Spiel, desto mehr solcher Netzwerke werden aktiviert. Das schafft beste Voraussetzungen für neuartige Verknüpfungen der Wissensinhalte der jeweiligen Netzwerke, also neue kreative Einfälle und Ideen. Spielerisch Lebensfreude, Freiheit und Gemeinschaft erleben Bei jedem gelungenen Spielzug, bei jeder beantworteten Quizfrage beginnen zudem verstärkt die „Belohnungszentren“ im Gehirn zu feuern. Das löst Freude, Lust, Begeisterung aus. Aber nicht nur das: Druck, Zwang, Angst verschwinden, stattdessen erleben wir lustvolle Freiheit. Sobald ein Kind  krank ist, verunsichert oder ängstlich ist, hört es auf zu spielen. Geht es den Kleinen gut, dann finden sie heraus, was funktioniert und was nicht, erweitern ihren Horizont, lernen Spielregeln aufzustellen und einzuhalten. Soziale Kompetenzen werden erweitert, Fähigkeiten, Fertigkeiten, kreatives Potenzial entfalten sich spielerisch. Im Spiel kann das Kind frei entscheiden, beispielsweise wie die Spielregeln von Uno oder „Freunde retten“ ausgelegt werden. Es fühlt sich frei und autonom, aber auch verbunden und in Gemeinschaft mit anderen. Deshalb hat das gemeinsame Spiel auch solche Anziehungskraft. Kreative Leistungen entstehen niemals unter Druck. Es braucht Spielräume. Können Menschen zwanglos mit ihren Gedanken herumspielen, können sie ihr wahres kreatives Potenzial entfalten. Vielleicht ist gerade deshalb die Kreativität und Fantasie, die Kinder an den Tag legen, so beeindruckend. Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel! Weil das Leben mehr als Funktionieren ist. Carl Hanser Verlag. München, 2016. Maria Zamut


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