Nicht das Resultat, sondern das Bemühen würdigen!

Der Familienalltag ist häufig ein Trainingscamp, das die Kinder auf das Leben vorbereitet. Dabei geht es weniger um perfekte Ergebnisse als um das Lernen am Tun. Katharina Maderthaner schildert, wie ein kleines Mädchen beim Badputzen Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen erlebte und vor allem die Wertschätzung ihrer Eltern für ihren Eifer.  Während der Zeit des Lockdowns im Frühjahr in einer Familie in unserem Bekanntenkreis: Die beiden Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter waren zu Hause, der Vater werkte im Home Office und die Mutter arbeitete mit Überstunden im Lebensmittelhandel. Im großen Garten fielen Arbeiten an und im Haus wuchs nach und nach das Chaos. Zusätzlich zu diesen Herausforderungen konnte die Hausfee nicht kommen, um beim Aufräumen zu helfen. Eines Tages klagte die Tochter über Langeweile und die Mama schilderte ihr wiederum, dass sie gar nicht wisse, was sie zuerst machen solle, weil so viel zu tun sei: „Und schau, auch das Bad schaut schon so aus, weil ich nicht zum Putzen komme.“ Zur Verdeutlichung zeigte sie auf die herumliegenden Haare etc. und verschob ein Regal, hinter dem sich Zopfspangerl mit einer dicken Staubschicht vermischten. Die Tochter hob erfreut eines hoch: „Das hatte ich eh schon gesucht!“ und begann, die Sachen herauszuklauben. Ihr Entschluss war gefasst: „Mama, ich mach sauber.“ Sie holte sich den Staubsauger und war den Vormittag über überaus motiviert dabei, den Schmutz verschwinden zu lassen. Nach einer Weile kam sie und meinte: „Jetzt will ich auch noch wischen.“ Zusammen bereiteten sie alles Nöti-ge vor und so kam es, dass die Fünfjährige von sich aus und ganz bei der Sache das Bad sauber machte. Geschafftes würdigen Die Eltern staunten, dass sie diese Aufgabe von sich aus übernommen hatte und eine solche Ausdauer an den Tag legte. Das sagten sie ihrer Tochter auch: „Jetzt hast du dir richtig lange Zeit genommen zum Saubermachen. Du hast die Spangerl wieder sortiert, das Waschbecken geputzt, den Staub weggesaugt und den Boden gewischt. Wir freuen uns, dass die Zahnpasta-Flecken aus dem Waschbecken weg sind und der Boden so sauber aussieht. Hier können wir uns jetzt wieder wohlfühlen, danke!“ Was haben die Eltern mit dieser Rückmeldung erreicht? Sie haben einzelne Arbeitsschritte sichtbar gemacht und konkrete Ergebnisse angesprochen. Es wurde nicht pauschal die gesamte Tätigkeit mit einem „Gut gemacht!“ bewertet. Stattdessen haben sie Fortschritte, Veränderungen und Bemühungen angesprochen und damit gewürdigt. Sie haben gezeigt, was das saubere Bad mit ihnen macht, indem sie ihre Freude und ihren Dank ausgedrückt haben. Ausbildungsbetrieb Familie Dem geübten Mutterblick fiel natürlich auch auf, wo noch Dinge unerledigt waren oder sie als Erwachsene das gründlicher und effizienter gemacht hätte. Doch sie hatte die Größe, das einfach wahrzunehmen und sein zu lassen. Es war der Mutter bewusst: Kritische Worte hätten womöglich die ganzen Bemühungen der Tochter und ihre Freude an ihrem Werk in den Schatten gestellt. Besonders, wenn sie selbst gleich noch nachgearbeitet hätte. Die Eltern erzählten in unserem Gespräch, dass sie Familie auch wie ein Ausbildungsbetrieb oder ein Trainingscamp betrachten: Die Kinder dürfen in einem geschützten Rahmen ihre Fähigkeiten trainieren und fürs Leben wichtige Fertigkeiten einüben. Was sie tun, ist ein Üben und sich Entwickeln – die Ergebnisse müssen nicht perfekt sein. Es geht um das Tun und Lernen. Wir Erwachsenen begleiten sie dort, wo sie über ihre Grenzen hinauswachsen möchten. So durfte das Mädchen die eigene Kompetenz spüren, ihre Einsatzbereitschaft und ihr Durchhaltevermögen erleben und das wurde gesehen und als wertvoller Beitrag zum Familienleben gewürdigt. Für mehr Freude im Leben mit Kindern! Katharina Maderthaner, MSc (Counseling) katharina.maderthaner@gmx.net


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