Wenn die Kleidung zur Plastikschleuder wird

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Kleidung mit Kunstfasern sind heute vor allem im Sport- und Freizeitbereich Gang und Gäbe. Doch mit jedem Waschen werden tausende Mikroplastikteile ausgeschwemmt. Manuela Hoflehner über ein Plastikspar-Dilemma.  Polyester in der Kleidung vermeide ich schon lange. Das Gefühl auf der Haut finde ich unangenehm. Ich schwitze darin, es riecht schneller und v.a. Gewand mit Elasthan verliert – je nach Qualität – bald die Form. Ein paar Teile sind allerdings in meinem Kleiderschrank gelandet, die meinem sonst rigorosen Kaufverhalten getrotzt haben. Allen voran Sportsachen – Laufhosen und -shirts – aber auch eine Fleece-Jacke und Mikrofaser-Unterhemden. Ich trage sie sozusagen zweckgebunden. Sie sind in der Regel nicht meine erste Wahl, aber wenn ich laufen gehe, ziehe ich Laufsachen an – und schätze auch die Funktionalität, im Vergleich zum Baumwoll-Shirt, das bei einem längeren Lauf an mir klebt wie ein nasser Fetzen. Trotzdem kam ich etwas in Schlucken, als ich las, wie viele Mikrofasern so ein Kleidungsstück beim Waschen verliert: Rund eine Million Teile an Mikroplastik verliert alleine meine Fleece-Jacke pro Waschgang. Das ist eine Menge. Auch andere Kunstfastern belasten durch ihren Abrieb das Wasser. Kleidung aus Acryl verliert rund 730.000 Fasern beim ersten Waschgang. Polyester liegt bei einer halben Million und Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle immer noch 138.000. Über kurz oder lang kommt dieser Plastik-Abrieb in die Meere und über die Fische wieder in die Nahrungskette. Also auf meinen Teller. Mehr als die Hälfte aller Shrimps aus der Nordsee sind bereits mit Mikroplastik belastet. 300 Prozent mehr in 20 Jahren Manche Waschmaschinen haben eingebaute Filter. Manche der Mikrofasern klauben wir aus dem Flusensieb. Doch viele Teile sind so klein, dass sie durch die klassischen Filtersysteme einfach durchschlüpfen. Eine Stadt von der Größe Berlins spült jeden Tag eine Menge Mikroplastik ins Abwasser, die etwa 540.000 Plastiktüten entspricht. Im Alltag ist uns das meist nicht bewusst: Wir mögen synthetische Textilien. Kunstfasern machen Stoffe dehnbarer, wasserabweisend, flexibel und anpassungsfähig. Deshalb verwenden wir sie besonders gerne für Outdoor-, Sport- und Badebekleidung. Jedes Jahr verbrauchen wir weltweit 42 Millionen synthetische Textilfasern. Zwischen 1992 und 2010 ist der Verbrauch um 300 Prozent angestiegen. Was kann man tun? Weniger kaufen. Das ist klar. Doch auch wenn man die Kleidung bereits im Schrank ist, hat man den Abrieb in der Hand – wortwörtlich: ·        Nur so selten waschen, wie nötig. Gerade bei einer Fleece-Jacke lassen sich Waschgänge sparen, da die oberen Kleidungsschichten weniger schnell riechen. ·        Bei geringer Temperatur waschen. Das schont die Fasern. ·        Mit weniger Umdrehungen schleudern. ·        Bei voller Waschmaschinenladung lösen sich weniger Fasern. ·        Einen Filter in die Waschmaschine einbauen. ·        Alternativ ein Wäschenetz wie den Guppyfriend-Waschsack verwenden – man steckt die synthetische Kleidung hinein und die Mikrofasern bleiben im Netz. ·        Das Flusensieb – oder auch den Guppyfriend – nicht im Abfluss leeren, sondern im Restmüll.

Manuela Hoflehner



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