Plastik – vom Schnuller bis zum Sarg

“Plastic Planet” des österreichischen Regisseurs Werner Boote

Plastikteile

Bild: wilhei/pixelio.de

Wer diesen bis zum Ende schaut, braucht starke Nerven und einen unempfindlichen Magen: Bilder von japanischen Küsten, die komplett mit angeschwemmten Müll übersät sind, Bilder vom Plastik im Mageninhalt aufgeschnittener Fische und Bilder von Seehunden, die qualvoll durch Plastikschnüre stranguliert werden, Bilder von Menschen, die in Indien barfuß auf qualmenden Müllhalden stehen und zerfetzte Plastikreste sammeln. Ebenso wenig erfreulich sind die Ergebnisse von Bootes Recherchen bei Wissenschaftlern und Industrie.

Zahlreiche Studien beweisen, dass besonders zwei Stoffe, die in Plastik häufig verwendet werden, für den menschlichen Organismus schädlich sind, insbesondere für Kinder:

  1. Weichmacher, sogenannte Phthalate, werden vor allem in PVC (Polyvinylchlorid) eingesetzt und gelten als krebserregend und möglicherweise schädigend für die männliche Fruchtbarkeit. Fast bei jedem Menschen sind inzwischen Phthalate und ihre Abbauprodukte im Blut und/oder Urin nachweisbar.
  2. Bisphenol A ist ein Hauptbestandteil bei der Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat. Heute werden dafür etwa 65% der weltweiten Produktion von Bisphenol A verwendet. Weitere 30% gehen in die Herstellung von Epoxiden (Lacke, Beschichtungen, Kleber). Bisphenol A ist die heute weltweit am häufigsten eingesetzte Industriechemikalie. Tierversuche zeigten Auswirkungen auf das Gehirn und Gewebe. Kinder weisen eine besonders hohe Konzentration auf. Schädigungen sind zu vermuten.   

Die Mitgliedsstaaten der EU stuften die Phthalate DEHP, DBP und BBP als fortpflanzungsgefährdend ein. Für Babyartikel und Kinderspielzeug erteilte die EU-Kommission mittlerweile ein Anwendungsverbot dieser Substanzen (Allerdings ist etwa 80% des in der EU erhältlichen Spielzeugs importiert).
Quelle www.plastic-planet.at

 

Plastiksackerl

Bild: Ralph Aichinger/pixelio.de

Werner Bootes Besuche bei IndustrievertreterInnen bleiben meist unbefriedigend. Die asiatischen HerstellerInnen eines aufblasbaren Plastikballs gaben zu, bei der Produktion keinen besonderen Wert auf ökologisch verträgliche Rohstoffe zu legen. Allerdings würden sie ihre europäischen KundInnen auch über ihren „Giftcocktail“ nicht aufklären. Man kann sich gut vorstellen, wieviele solcher Produkte in Europa landen, ohne auf gesundheitsschädliche Wirkungen untersucht worden zu sein.
Die VertreterInnen großer Plastikhersteller sehen sich im Gespräch mit Boote nicht in der Verantwortung für die Gesundheitsschäden, die ihre Produkte anrichten. Auch für die Müllberge seien KonsumentInnen und Politik zuständig, so ihr Tenor. Filmzitat von John Taylor, Präsident von Plastics Europe: „Ich denke, das ist ein gesellschaftliches Thema. […] Wir (die Plastikindustrie) tragen unseren Teil dazu bei und versuchen, den Menschen die Vorteile von Recycling deutlich zu machen und mit den Menschen am Ende der Wertschöpfungskette zusammen zu arbeiten. Aber das (Müllproblem) ist etwas, worum die Gesellschaft sich zu kümmern hat.“ (Quelle: www.plastic-planet.at)

Auch wenn in Europa Umweltschutz einen hohen Stellenwert hat, so nimmt die weltweite Verschmutzung durch den steigenden Wohlstand in den Schwellenländern zu. Dabei bleiben auf jeden Fall aber Europa und die USA die größten Verursacher von Plastikmüll.

Eine Million Plastiksackerl pro Minute
Nach Schätzungen von Plastic Planet werden rund 500 Milliarden (500.000.000.000) Plastiksackerl jährlich weltweit verbraucht. Das entspricht einer Menge von 1 Million pro Minute. Milliarden davon werden schon kurz nach ihrem Gebrauch zu Müll. Nach Aussage des Meeresforschers David Barnes, waren Plastiksackerl in den 80er und frühen 90er Jahren im Meer selten, und sind heute von Spitzbergen im Norden bis zu den Falklandinseln im Süden überall zu finden.
Plastik braucht bis zu 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Laut einer Studie des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) treiben derzeit bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltozeane.

Greenpeace zum Thema Plastik im Meer

 

Was können wir als KonsumentInnen konkret tun?
Lohnt es sich überhaupt, als Einzelne/r das eigene Verhalten zu ändern? Wir sagen ja!

Erdkugel

Bild: guukaa/Fotolia.com

Auch wenn an den politischen Schalthebeln wie EU und den Landesregierungen am meisten bewirkt werden kann.
In einigen Ländern, wie z.B. Italien, Indien und Frankreich, sind Plastiktragetaschen verboten, und die KonsumentInnen und Händler haben dadurch keinen Schaden erlitten.
OÖ-Umweltlandesrat Rudi Anschober: „Geschätzte 350 Millionen Stück Plastiksackerl werden derzeit pro Jahr in Österreich verbraucht. Das entspricht einem Gesamtgewicht von 7000 Tonnen. In Oberösterreich sind es 59 Millionen Stück. das sind durchschnittlich 42 Sackerl pro Kopf und Jahr.
Dies führt zu sinnlosem Verbrauch wertvollen Öls und sinnlosen CO2-Emissionen. Faustregel: 2-3 Tonnen Rohöl werden für eine Tonne Kunststoff gebraucht.“

Rudi Anschober hat eine Aktion gegen Plastiksackerl ins Leben gerufen

Ein Haus aus PET-Flaschen.
Was sich ein findiger deutscher Experte für Baumaterial-Recycling für Haitis Wohnprobleme ausgedacht hat: Er baut für Menschen, die sich bisher nur windige Hütten leisten konnten, aus mit Sand gefüllten PET-Flaschen stabile Häuser. Die sind preiswert und sorgen gleichzeitig für eine Entsorgung des Mülls. Ob das ein Zukunftsmodell gegen Armut und Müllprobleme sein kann, mag jeder selbst entscheiden. Lies die ganze Geschichte in DIE ZEIT.

Bioplastiksackerl mit Entsorgungsproblemen
Ob sogenannte Bio-Plastiksackerl wirklich eine Alternative sind, untersucht Dr. Max vom Wochenmagazin „Die Zeit“. Bioplastik-Sackerl werden zu 50% aus Mais hergestellt und brauchen rund 40 Tage zum Verrotten. In den Müllsortieranlagen werden sie aussortiert und verbrannt. Zu hinterfragen ist, dass das Lebensmittel Mais zur Herstellung von Müllsäcken verwendet wird.  Sieh dir mehr an im Video DIE ZEIT .

A Sackerl dazu? Eine persönliche Erfahrung
Von I.Höglinger

Seit rund einem Jahr versuche ich, beim Einkauf auf Plastiksackerl zu verzichten, und es war bisher kein besonders kompliziertes Unterfangen: Einfach in der Handtasche einen zusammenfaltbaren Kunststoffbeutel mitnehmen. Im Auto einen Korb und auf dem Radl Gepäcktaschen. Wenn man darauf achtet, wird einem so richtig bewusst, wie viele überflüssige Sackerl man in jedem Geschäft automatisch in die Hand gedrückt bekommt. Durchschnittlich ist ein Sackerl 24 Minuten in Gebrauch. Früher war unsere Küchenlade voll mit Sackerl, die wir dann aus Platznot irgendwann entsorgt haben, um sie in kürzester Zeit durch neue zu ersetzen. Jetzt ist sie so gut wie leer.
Man erlangt durch solche kleinen Aktionen nicht den Status eines Heiligen, aber wenn es ohne Not geht, warum nicht?

Besuche die Facebook-Seite gegen Plastiksackerl



Eine Antwort auf Plastik – vom Schnuller bis zum Sarg

  1. Carmen sagt:

    ich kaufe saft in glasflaschen. sswaer kauf ich nicht, das kommt ja in f6sterreich in viel besserer qualite4t aus dem sswaerhahn. und wenn ich mal unterwegs bin, nehm ich sswaer in einer bisphenol-freien, wiederverwendbaren flasche mit.verzicht auf plastik, zb auch bei wattepads (gibts schon in bio-plastik -verpackung und bei ohrste4bchen (gibts ja auch schon le4nger mit papier-stiel)

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