Ein Monat ohne Plastik leben

Familie Krautwaschl machte ein Experiment
Sandra Krautwaschl ist eine ganz normale Frau und Mutter. Die 38-jährige Grazerin lebt mit Mann und drei Kindern in einem Haus, in dem es bisher jede Menge Plastik gab. Genausoviel wie bei jedem von uns daheim. Doch das sollte sich bald ändern. Ab November 2010 haben die Krautwaschls versucht, den Kunststoff aus ihrem Leben zu verbannen. Klingt kompliziert?

Hier findest du alle Hintergrundinfos und viele Filmbeiträge über das Projekt

Die Idee

Kind entsorgt Plastikmüll

Bild: akiradesigns - Fotolia.com

Sandra Krautwaschl: „Nachdem ich ‘Plastic Planet’ von Werner Boote gesehen habe, war ich erst frustriert und sauer, weil der Film mir klar gemacht hat, dass wir einer Werbemaschinerie aufsitzen. Ich halte mich und meine Familie für sehr umweltbewusst und es fällt uns trotzdem gar nicht mehr auf, wenn wir der Umwelt Schaden zufügen. Es war eine trotzige Reaktion, sich gegen diese Einschränkung und dem Ausgeliefert-Sein zu wehren. So kam der Gedanke, einen Monat lang plastikfrei zu leben. Alle haben gesagt: ‘Das geht nicht!’
In dem Projekt versucht die Familie, so viele Behälter, Möbel, Kleinteile und vor allem Verpackung wie möglich durch umweltfreundliches Material zu ersetzen. Angefangen von Zahnbürsten über Lebensmittel bis zur Nachttischlampe. Weiter geht es mit dem Organisieren eines Geburtstagsfestes ohne Plastik, Badezimmer ohne Plastik, Schulzeit ohne Plastik. Die Familienmitglieder berichten von ihren Erfahrungen und mit fleißigen BloggerInnen werden wertvolle Tipps ausgetauscht. Da kennt jemand einen Hersteller von Glasflaschen für die Jause, dort empfiehlt jemand Biokosmetik in Ahornverpackung oder Babyschnuller aus Naturkautschuk.

Urlaub ohne Plastik
Auf der kroatischen Ferieninsel entdecken die Krautwaschls mit Plastikmüll übersäte Strände und sind verbittert. Der Gegensatz von wunderschöner Landschaft und so sorglosem Umgang mit Müll bestätigt die Grazer Familie in ihrem Kampf gegen die Unbekümmertheit der meisten KonsumentInnen. Beim Einkaufen überzeugen sie die HändlerInnen und SupermarktkassiererInnen, ihnen das Gemüse in Papiersackerln und die Glasflaschen ohne extra Plastiksackerl zu geben. Als sie von den Einheimischen erfahren, dass es auf der Insel keine Mülltrennung gibt, nehmen sie ihren gesamten Müll wieder mit nach Hause.

Einkaufen
Besonders beim Lebensmitteleinkauf ist es eine Herausforderung, nicht in alte Gewohnheiten zu verfallen: Plastikverpackungen allerorts! Sandra Krautwaschl lässt sich Wurst und Käse aus der Theke in Papier verpacken, Obst und Gemüse gibt sie in einen Stoffbeutel, auf den sie auch die Preispickerl der Waage klebt. Milch holt sie vom Bauern oder in Glasflaschen aus dem Bioladen. Waschmittel kauft sie in wiederbefüllbaren Behältern, Taschentücher aus Recyclingpapier ohne Plastiklasche, Senf in der Metalltube, Marmelade im Glas, Müsli im Pappkarton. Für lose Produkte nimmt sie einen Metallbehälter von daheim mit.

Wozu das Ganze?
In ihrem Blog wird viel darüber diskutiert, ob die Umstellung nicht zu aufwändig sei, ob die Alternativprodukte nicht zu teuer seien. So mancher Blogger unterstellt den Krautwaschls, mit dem Verzicht auf Plastik würde die Wirtschaft geschädigt. Solche Kommentare lassen die Krautwaschls kalt. Sie wollen niemanden missionieren und lassen jedem seine Meinung. Sie haben das Projekt für sich selbst realisiert und lassen die Öffentlichkeit daran teilnehmen. Sie wollen anregen und ermutigen. Krautwaschl: „Unser Experiment war in diesem Sinne auch ein Versuch, festzustellen, wie wir diese Verantwortung wahrnehmen können und wie sich das auf unser alltägliches Leben auswirkt. Sozusagen der logische Schritt vom Umdenken zum ‘Umhandeln’.”

Die Krautwaschls haben nach dem offiziellen Ende des Projekts einfach weiter ohne Plastik gelebt. Erfreuliches Ergebnis: nur ein halber Sack Plastikmüll in einem ¾ Jahr, und das hauptsächlich durch Geschenke und plastikverpackte Post!

Austria News-Bericht über das Projekt



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