Auf den Spuren eines kosmischen Bombardements

Alle die demnächst nach Krumau fahren, können die Stadt und die dazugehörige Südböhmische Region von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Seit einem Jahr gibt es dort nämlich ein kleines, aber feines Museum, in dem man 15 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück reisen kann. In eine Zeit, in der es ganz in der Nähe kleine seltsame grüne Steinchen niederregnete.

Damals ereignete sich im heutigen Nördlingen (Süddeutschland) eine gewaltige Naturkatastrophe bei der äußerst seltene Gesteinsgläser entstanden sind.

Gefunden hat man die Relikte in verschiedenen Streugebieten in bis zu 400 Kilometer Entfernung. Eines der größten Fundgebiete befindet sich im heutigen Südböhmen, in der Nähe der Moldau (tschechisch Vltava). Daher auch der tschechische Name „Vltaviny“, zu Deutsch “Der Kleine aus der Moldau”, “Moldauchen” oder einfach nur “Moldavit”.

 

Zahlreiche Mythen und Legenden

Bild: Moldavitenmuseum

“Vor allem die zerfurchten transparenten flaschengrünen Steinchen sehen so ungewöhnlich aus, dass manche Menschen glauben, sie kämen direkt aus dem Weltall”, erzählt ein Privatsammler. Diese Menschen glauben auch, dass die Steine eine besondere Energie besitzen. Dass sie verbunden werden mit jemandem im All – mit anderen Zivilisationen oder mit Ufos. Es gibt sogar welche, die Moldavite zermahlen und aufs Brot schmieren oder mit Sliwowitz trinken.“

“Viele Mythen und Legenden ranken sich über diese einzigartigen Tektite”, bestätigt Vit Krsul, Leiter des weltweit ersten Moldavitenmuseums in Böhmisch Krumau. “Alleine in den vergangenen hundert Jahren gab es 150 wissenschaftliche Theorien darüber, wie sie entstanden sind. Manche Aspekte sind bis heute noch nicht restlos geklärt.”

 

Reste geschmolzener Gesteine und Sande

Bild: Moldavitenmuseum

Aber auch wenn die Gesteinsgläser ungewöhnlich aussehen und selten sind, kommen sie nicht aus dem Weltall. Sie sind irdischen Ursprungs und gehören zur Kategorie der Tektite. Das sind Reste geschmolzener Sande, Lehme und Gesteine, die unter besonders seltenen Bedingungen beim Einschlag von Meteoriten oder Asteroiden entstehen.

Manche von ihnen haben wirklich schöne Formen. Tropfen, Strahlen oder Sonnen – bis zu zehn Zentimeter groß. Einige dieser Exponate können hautnah in der Ausstellung angegriffen oder bestaunt – andere sogar interaktiv via Smartphone oder Handy erforscht werden. Dabei erfährt man viele Hintergründe über ihre Entstehung und wie sie in der Kultur der Menschen, die sie gefunden haben, verwendet wurden.

Wer Lust und Zeit hat kann auch ins Ries-Krater-Museum nach Deutschland fahren und die gigantischen Auswirkungen des kosmischen Bombardements aus nächster Nähe bewundern. Bis 8. November gibt es hier noch eine Sonderausstellung zur Geschichte des 25-jährigen Museums.

 

Moldavitenmuseum

Panskástraße 19, 381 01 Český Krumlov

 

Ries-Krater-Museum Nördlingen

 

Sabine Blöchl



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