Keine Angst vor’m Baby Blues

Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de

Mutter zu werden ist eine körperliche und emotionale Achterbahnfahrt – die Höhen und Tiefen wechseln sich oft in rasantem Tempo ab. Dabei wird etwas unter den Teppich gekehrt, dass man sich nicht immer als glückliche Mama fühlt, die stolz auf das eben geleistete ist. Denn manche Sorgen und Ängste zu haben ist zu einem gewissen Grad normal. Wenn das ungute Gefühl länger andauert, sollte man sich jedoch nicht scheuen, um Hilfe zu bitten.

Die Geburt ist ein paar Tage her. Neben der Freude um den neuen Erdenbürger schwingt bei manchen Müttern aber noch etwas anderes mit. Sie sind nahe am Wasser gebaut, sind angespannt und gereizt und haben Angst um ihr Baby oder sich selbst. Die Frage, ob man eine gute Mutter wird, kreist im Kopf herum. Dieser „Baby Blues“ ist hormonell bedingt und kann ein bis zwei Wochen nach der Geburt andauern. Und selten ist er ganz und gar nicht: Bis zu jede vierte Mutter ist betroffen. Jede nach Studie leiden sogar bis zu 75% der Mütter daran. Im Volksmund nennt man diese Zeit auch die „Heultage“.

Oft verstehen diese Mütter sich selbst nicht mehr. Sie haben alles, was sie immer wollten – ein wunderschönes Baby, einen tollen Mann – und trotzdem kommen die Tränen. Drei bis vier Tage nach der Geburt taucht der Baby Blues oft auf. Dann verschwinden die Schwangerschaftshormone und die Milchproduktion setzt ein. Hinzu kommt, dass die Anspannung und der ganze Trubel langsam nachlassen – und damit auch die Glückshormone, die der Körper in dieser Zeit wie von selbst produziert. Die Zeit danach fühlt sich vielleicht manchmal körperlich und geistig wie ein „Abstieg“ an.

Alle paar Stunden meldet sich das neue Familienmitglied und verlangt nach Nahrung und Aufmerksamkeit. Der chronische Schlafmangel und die starke Übermüdung machen sich bemerkbar. Irgendwann kann der erste Anfangsenthusiasmus das nicht mehr ausgleichen. Das Wissen, dass dieser Zustand die nächsten Wochen anhalten wird, trägt nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. Auch wenn man eine schwierige Geburt hinter sich hatte, verstärkt das oft die Frage, was noch kommen könnte und ob man dem gewachsen ist.

Dabei sollte man sich aber eines bewusst machen: Bei der Geburt hat jede Frau Großes geleistet; sie hat ein Kind zur Welt gebracht. Der Weg dabei sollte zweitrangig sein.

Der Baby Blues verschwindet meistens nach ein paar Tagen  – ganz von selbst. Nur wenige Frauen sind noch länger emotional angeschlagen. Wenn die Niedergeschlagenheit nicht verschwindet, handelt es sich um eine Postpartale Depression. Diese muss behandelt werden.

Übrigens: Auch Väter können am Baby Blues leiden. Ein Mann unter zehn zeigt dieselben Symptome wie Frauen beim Baby Blues, und das 3 bis 6 Monate nach der Geburt. Die Ursache ist nachvollziehbar: Väter stehen als Alleinverdiener oft unter finanziellem Druck und „verlieren“ in der Zeit nach der Geburt zu einem gewissen Grad ihre Frau als Partnerin – denn diese richtet ihre Aufmerksamkeit natürlich verstärkt auf das Neugeborene. 

 
Im Falle einer postpartalen Depression

Eine postpartale Depression kann auch Wochen oder Monate nach der Geburt entstehen – oder sich aber direkt nach der Geburt vom Baby Blues ausweiten. 

Mögliche Symptome für eine postpartale Depression:

  • Du fühlst dich unglücklich.
  • Du hast nichts nichts, worauf du dich freuen kannst.
  • Du bist leicht reizbar und gerätst mit deinem Partner oft in Streit.
  • Du weinst oft.
  • Du fühlst dich immer erschöpft, kannst aber nicht schlafen.
  • Du fühlst dich überfordert.
  • Du sorgst dich ständig um dein Kind und suchst permanent Bestätigung von ExpertInnen, dass dein Kind gesund ist.
  • Es fällt dir schwer, dich zu konzentrieren.
  • Dein Baby ist dir fremd.

Wenn du konstant unter vielen dieser Symptome leidest, solltest du einen Arzt aufsuchen. Ein Mittel gegen die postpartale Depression vorzugehen, ist Gesprächstherapie und auch Antidepressiva (regulär über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten).

Oft hilft es schon, einfach mit jemandem zu reden, der gut zuhören kann und versteht, wie Depressionen wirken. Auch bringt es manchmal schon viel, wenn man die Probleme beim Partner oder der besten Freundin abladen kann – allerdings kann es schon vorkommen, dass diese nicht nachvollziehen können, was man selbst durchmacht.

 
Was kann ich selbst tun?
  • Ernähre dich gesund.
  • Ruh dich viel aus. Such dir jemanden, der dein Kind für ein paar Stunden nehmen kann, damit du ungestört schlafen oder entspannen kannst.
  • Bewegung. Betreibe Sport, wenn du kannst. Im kleineren Rahmen hilft auch ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft – da kannst du dein Kind auch mitnehmen.
  • Triff dich mit anderen Müttern. Oft fühlt man sich gesellschaftlich abgeschnitten, gerade wenn es im Freundeskreis wenige Jungfamilien gibt. Kontakte kannst du auch auf dem Spielplatz knüpfen. Da bist du auch unter Frauen, die womöglich dasselbe schon durchgemacht haben und deine Situation verstehen.
 
Wie können Freunde und Familie helfen?
  • Geh mit zum Arzt, wenn die Mutter nicht alleine gehen möchte.
  • Übernimmt Arbeiten im Haushalt und beim Baby. Wichtig ist aber, die Babypflege nie völlig zu übernehmen.
  • Konzentriere dich als Partner auf deine Partnerin als Frau oder Freundin, nicht als Mutter.


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