Gestärkt ins Leben mit Ritualen für Kinder

Schlafendes Kind

Mit Ritualen beim Schlafen-Gehen finden Kinder schnell ins Traumland. (Foto: mamamawu /pixelio.de)

Für Kinder sind Rituale besonders wichtig. Sie brauchen Anhaltspunkte, nach denen sie sich richten können. Rituale haben dabei eine Beständigkeit, die Kindern Halt und Sicherheit vermitteln. Durch wiederkehrende Aufgabenarten können Kinder schnell ihre Konzentration auf eine Sache lenken und entwickeln ein Gefühl für Rhythmus und regelmäßige Abläufe.

Die Gute-Nacht-Geschichte, die abends nach dem Zähne-Putzen vorgelesen wird, das Glas Milch vor dem Schlafen-Gehen oder ein regelmäßiger Liederabend – all das sind Rituale, die wir oft ohne Nachzudenken in unseren Familienalltag eingebaut haben und die Kindern Geborgenheit vermitteln. Rituale und beständige Rhythmen im Alltag erleichtern für Kinder den Tagesablauf und helfen auch langfristig, eventuelle Schwierigkeiten zu bewältigen. So kann z.B. jedes Kind einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus entwickeln, wenn die Eltern konsequent die Schlafenszeit vorgeben. Durch das abendliche Vorlesen unterstützen Eltern, dass Kinder mehr Interesse am Lesen finden und wirken gleichzeitig als Vorbilder, die sich täglich Zeit zum Vorlesen nehmen. Ganz engagierte Eltern können das Vorlesen auch nach „draußen“ tragen. Steht eine längere Bus- oder Zugfahrt bevor, lässt sich diese leicht für eine Kurzgeschichte nutzen und die Zeit vergeht wie im Flug.
Grünschnabel hat einige Rituale gesammelt, die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern einführen, durchführen und miteinander gestalten können.

Morgenrituale
Body Percussion: Morgens ist der Körper oft noch schwerfällig, die Stimme noch nicht da und der Geist noch müde. Ein gemeinsames Morgenritual kann helfen, Körper und Geist aufzuwecken und erzeugt gleichzeitig durch gemeinsames Sprechen und Handeln ein Gemeinschaftsgefühl. Bei Bodypercussion wird der Körper als „Schlaginstrument“ verwendet. Man klopft oder klatscht auf verschiedene Körperteile, in einem gemeinsamen Rhythmus und oft mit einem ritualisierten Text. Bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, die Bewegungen und den Text vorzugeben. Ältere Kinder können eigene Ideen zu Text und Rhythmus einbringen.
Anfangs ist es auch wichtig, den Unterschied von kraftvollem Schlagen und behutsamem Klopfen zu thematisieren. Die Kinder können dann vorsichtig den „Klang“ ihres Körpers ausprobieren. Durch das Klopfen auf den Brustkorb, auf die Schenkel, das Klatschen der Hände, Schnipsen mit den Fingern, usw. entstehen verschieden Geräusche.
Durch das Abklopfen des Körpers wecken die Kinder ihren Körper auf und werden sich dessen bewusst.

Beispiel:
„Gut – ten – Mor – gen,“
– Mit der rechten Hand auf die rechte des Gegenübers klatschen.
– Mit der linken Hand auf die linke klatschen.
– Mit links auf den Brustkorb patschen.
– Mit rechts auf den Brustkorb patschen.

„Gut – ten – Mor – gen,“
– Mit der linken Hand auf die linke des Gegenübers klatschen.
– Mit der rechten Hand auf die rechte klatschen.
– Mit den Händen auf die Oberschenkel klatschen.
– In die Hände klatschen.

„wünsch – ich – dir.“
– Mit rechts schnippen.
– Mit links schnippen.
– Über die Schultern des Gegenübers streichen.

Heute ist nicht aller Tage
Fast jeder Tag des Jahres ist einer Aktion oder einem Sachverhalt gewidmet. Diese können Eltern zum Anlass nehmen, als Ritual einen „Tag des Monats“ einzuführen. Gemeinsam mit den Eltern können die Kinder sich pro Monat einen „Tag des…“ aussuchen, in einen Kalender eintragen und sich an diesem Tag zusammensetzen, um über den Tag zu reden. Die Kinder können raten, warum es diesen Tag gibt, darüber diskutieren, woran er erinnert und worum es dabei geht und sich überlegen, was dieses Tagesthema mit ihnen zu tun hat. Einige Beispiele für nützliche Tage:

1.1.: Tag des Weltfriedens
21.6.: Tag des Schlafs
13.8.: Tag der Linkshänder
5.9.: Tag der Kopfschmerzen
10.12.: Tag der Menschenrechte

Tipp: Bei Wikipedia gibt es unter dem Stichwort „Liste von Gedenk- und Aktionstagen“ eine Auflistung aller Gedenktage mit einem Hinweis auf ihre Herkunft und ihren religiösen Hintergrund.

 

Tagesabschluss
Am Ende des Tages können sich Eltern mit ihren Kindern zusammensetzen und über den Tag reflektieren. Hilfreiche Fragen sind dabei, wofür man dankbar sein kann und was schön und gut war. Das Kind kann sich drei Ereignisse überlegen, an die es gerne zurückdenkt, und als Elternteil kann man nachfragen, was genau dem Kind dabei gefallen hat. Falls dem Kind nichts einfällt, können die Eltern etwas nachhelfen und ein paar Geschehnisse aufzählen, die dem Kind gefallen haben könnten.
Kinder erfreuen sich oft an kleinen, kurzen Begebenheiten, die von Erwachsenen kaum beachtet werden. Bei solchen Gesprächen findet man als Elternteil dann auch oft selbst einiges heraus und bekommt eine Sichtweise auf den Tag, die einem sonst entgangen wäre.
Wenn das Kind anspricht, dass etwas Unangenehmes vorgefallen ist, kann man als Erwachsener ein wenig intervenieren und z.B. fragen, ob es nicht gut ist, dass diese Situation jetzt vorbei ist, und somit zu einem positiven Tagesabschluss beitragen.

Der abendliche Ablauf sollte immer möglichst gleich gestaltet werden. Eltern sollten sich Zeit dafür nehmen – denn die Kinder spüren, wenn man gestresst ist, und reagieren darauf mit Unruhe. Man kann dabei auch ruhige Musik einschalten oder eine Duftlampe einschalten, um eine entspannte Atmosphäre herzustellen.

Tipp: Erstelle mit deinem Kind einen Gute-Nacht-Kalender. Das Kind kann Wünsche an die Eltern aufschreiben und als Kalender sammeln – kleine Dinge, die es sich vor dem Schlafen-Gehen von den Eltern wünscht. Das kann z.B. ein Gute-Nacht-Lied sein, eine Massage oder auch eine Fantasiereise.

 

Fremdsprachen-Olympiade
Findet ein großes Event statt, wie z.B. eine Olympiade oder ein kultur-übergreifendes Fest in der Stadt, kann man sich in der jeweiligen Landessprache des Ausrichters, eines Teilnehmerlandes, etc. begrüßen. So lernen die Kinder neue Sprachen ganz spielerisch dazu.

 

Lebensübergänge feiern
Kinder gehen in ihrer Entwicklung verschiedene Übergänge durch. Oft werden diese unkommentiert angenommen. Es ist allerdings für ein Kind und auch die Eltern wertvoll, einen solchen Übergang anzuerkennen. Das erleichtert es, das Vergangene loszulassen und gibt Mut für einen Neubeginn und für bewusste Veränderungen und Schritte nach vorne. Ein Ritual kann diesen Übergang unterstützen und wesentliche Inhalte bewusst machen.
So beginnen Kinder beispielsweise mit acht Jahren, die ersten entscheidenden Schritte in die Selbständigkeit zu machen. In diesem Alten können ihnen kleine Aufgaben übertragen werden und sie erste Verantwortung übernehmen. Auch ein bewusstes Loslassen in der Kleinkindphase durch eine Zeremonie im Familienkreis kann helfen, dass das Kind sich leichter in die neue Rolle einfindet. Es kann neue Rechte zugeteilt bekommen, wie z.B. dass es abends länger aufbleiben darf, ein höheres Taschengeld bekommt, ein Instrument spielen lernt, ein Haustier, eigenes Zimmer oder einen Schreibtisch für die Hausaufgaben bekommt. Wichtig ist dabei, dass es nicht einfach Rechte erwirbt, sondern auch Aufgaben bekommt, mit denen es umzugehen lernt – sich um eine Pflanze zu kümmern, den Käfig des Haustieres sauber zu machen oder das Obst für die Nachmittagsjause zu waschen. Diese Rechte und Aufgaben sollen gleich zu Beginn klar benannt werden,

Loslassen: Um das Loslassen auszudrücken, das ein neuer Lebensabschnitt bedeutet, können sie die Kinder ein Kleidungsstück aussuchen, aus dem sie herausgewachsen sind, oder ein Spielzeug, das nicht mehr verwendet wird. Dies kann zeremoniell an ein jüngeres Kind übergeben oder gespendet werden.
Paten für Lebensabschnitte: Paten sind Wegbegleiter, die eine gundlegende Ethik und Moralvorstellung vermitteln. Um den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt zu verdeutlichen, kann für jeden Abschnitt jeweils ein Pate gesucht werden. Dieser dient als spiritueller Anker für das Kind und als Anlaufstelle für Fragen oder Themen, die das Kind vielleicht mit den Eltern nicht besprechen möchte.

Auf eine Übergangszeremonie sollte das Kind schon vorher vorbereitet werden. Ein bis zwei Monate lang kann man sich einmal pro Woche zusammensetzen und Themen bearbeiten, die im Ritual zum Ausdruck kommen sollen. Man kann mit ihm besprechen, was es glücklich macht, wie man gute Freundschaften pflegt, etc. Mit spielerischen Aufgaben schafft man so eine Verbindung zwischen dem Kind und dem Umfeld, in das es eingebettet ist.
Beispiel Freundeskreis: Das Kind malt auf ein Blatt Papier fünf ineinander liegende Kreise, die immer größer werden. In den innersten schreibt es „Ich“, in den nächsten „Eltern“, dann „Freunde, die ich mag“, „Freundliche Menschen (Eltern, Nachbarn)“ und schließlich „Tiere, Pflanzen, die ich in der Natur mag“. Dann setzt es sich mit dem Blatt an einen ruhigen Ort und denkt mit geschlossenen Augen jeden Kreis eine Minute durch, wer in diesen Kreis gehört und schickt den Menschen darin einen Wunsch.

Das Ritual selbst kann man ruhig festlich gestalten – eine Kerze anzünden, ruhige Musik im Hintergrund auflegen und den einzelnen Schritten im Ritual seine Zeit geben. Eine kleine Ansprache dazu könnte so aussehen:
„Wir feiern heute, dass du kein kleines Kind mehr bist. Du kannst schon vieles selbständig tun. Zum Zeichen, dass du kein kleines Kind mehr bist, hast du ein Kleidungsstück/Spielzeug mitgebracht. Wir haben entschieden, dass du ab heute eine halbe Stunde länger aufbleiben darfst. Und du bekommst eine kleine Aufgabe übertragen, für die du ab jetzt verantwortlich bist.“
Sind die Eltern, der Pate und Geschwister als größere Gruppe da, können die Eltern Steine vorbereiten. Jeder Anwesende schreibt einen Wunsch an das Kind auf den Stein und übergibt ihn an das Kind. Das Kind kann auch ein kleines, symbolisches Geschenk erhalten.



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