Tabuthema Sucht – Wie schütze ich mein Kind?

Bild: Eric Simard/Fotolia.com

Sucht entsteht nicht von heute auf morgen.
Ein Grundstein für Risiko-, aber auch für Schutzfaktoren wird in der frühen Kindheit gelegt. Ob Suchtverhalten auftritt, hängt weniger von der Verfügbarkeit von Drogen ab, als von persönlichen Stärken und Schwächen – und natürlich vom sozialen Umfeld.
 

Was können Eltern tun?
Immer nur auf den „Feind“ – sprich auf die Drogen – zu starren, hilft nicht weiter. Auch Abschreckung ist kein geeignetes Mittel zur Suchtvorbeugung, denn wie die Suchtforschung zeigt, wird dadurch in Kindern und Jugendlichen eher Neugierde geweckt und so der Probierkonsum gefördert. Wichtig ist, von früher Kindheit an die Persönlichkeit zu stärken und Möglichkeiten zu vermitteln, wie auch schwierige Situationen ohne Suchtmittel bewältigt werden können. 

Tipp:
Denk immer daran, dass du mit deinem Verhalten und deinen Einstellungen ein Vorbild für dein Kind bist. Und sei ehrlich zu dir selbst: Hat sich vielleicht auch bei dir irgendeine Sucht eingeschlichen – und wenn es nur der tägliche Kaffee ist, ohne den du am Morgen nicht auskommst?

Faktor Genussfähigkeit
Wer gelernt hat, ohne Schuldgefühle zu genießen, entwickelt ein gesundes Gefühl für das richtige Maß. Du kannst dein Kind dabei unterstützen, zum Beispiel, indem du ihm zeigst, wie sehr man ein einziges Stück Schokolade genießen kann, wenn man es in aller Ruhe und mit voller Aufmerksamkeit im Mund zergehenen lässt, oder wie schön es ist, gemeinsam eine einfache Mahlzeit zuzubereiten. Auch Fernsehen oder Computerspielen können den Alltag bereichern – auf die Dosis kommt es an! Überhäufe dein Kind nicht mit Konsumgütern. Es ist wichtig, dass es auch mit der Frustration umzugehen lernt, wenn es einmal nicht bekommt, was es sich wünscht.

Umgang mit Bedürfnissen und Gefühlen
Sehr häufig ist der Griff zum Suchtmittel bzw. das Zeigen von Suchtverhalten ein „Ausweichmanöver“: Gefühle tauchen auf, mit denen wir nicht umgehen können, oder Bedürfnisse, für deren Befriedigung uns keine Mittel zur Verfügung stehen. Zum Beispiel schalten wir den Fernseher ein, um keine Einsamkeit aufkommen zu lassen. Oder wir holen die Eiscreme aus dem Tiefkühlfach, weil wir müde, traurig oder überfordert sind. Auch hier werden schon im Baby- und Kleinkindalter erste Prägungen gesetzt: Gibt es immer gleich ein Fläschchen zur Beruhigung? Werden Kränkungen und kleinere und größere Wunden – ob nun seelische oder körperliche – mit Süßigkeiten „weggetröstet“?

Du hilfst deinem Kind, indem du deine eigenen Gefühle zeigst und ihm so vermittelst, dass es in Ordnung ist, auch einmal traurig, niedergeschlagen oder zornig zu sein. Zeig ihm auch, dass es hilft, sich anderen mitzuteilen, mit FreundInnen über Gefühle zu reden.

Auch Misserfolge, Enttäuschungen und Konflikte gehören zum Leben. Wenn Eltern sich bemühen, konstruktiv damit umzugehen und diese Situationen als Lernchancen zu begreifen, geben sie ihren Kindern das beste Rüstzeug mit.

Faktor Selbstvertrauen
Wer Selbstvertrauen hat, traut sich „Nein“ zu sagen. Wer sich selbst vertraut, kann auf andere zugehen und muss nicht immer „cool“ sein. Wer sich selbst vertraut, weiß um seinen Platz in der Familie, in der Schule und in der Gesellschaft und übernimmt Verantwortung. Du kannst das Selbstvertrauen deines Kindes am besten stärken, indem du ihm etwas zutraust – indem du seine Stärken förderst, und indem du ihm von klein auf genug Zuwendung und Körperkontakt gibst, so dass es ein gesundes Urvertrauen entwickeln kann. 

Regeln geben Halt und Sicherheit
Angemessene Grenzen zu setzen ist eine der größten Herausforderungen für Eltern. Zu enge Grenzen schränken das Kind ein, zu wenige oder zu weite Grenzen verunsichern es. In jeder Familie gibt es andere Regeln. Viel wichtiger als der Inhalt dieser Regeln ist der Umgang damit. Sind die Regeln klar genug? Hältst du dich auch selbst an die Vereinbarungen? Wird regelmäßig überprüft, ob die Regeln noch passen?

Wohlfühlen und Lebensfreude
Eine Umgebung, in der sich Kinder wohlfühlen, mit ausreichend Möglichkeiten für Bewegung, Naturerfahrungen und soziale Kontakte, ist ein wesentlicher Faktor in der Suchtprävention. Lebensfreude, Kreativität und Fantasie sind die besten Voraussetzungen für ein Leben ohne Sucht!

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