„Ich höre dich“ – vom Zuhören und Verstehen

Bild: kmiragaya - Fotolia.com

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„Ich hasse die Frau Lehrerin, diese dumme Nuss!“, ruft deine Tochter, während sie lautstark ihre Schultasche in der Garderobe auf den Boden fallen lässt. Du bist erstaunt über diese heftigen Worte und willst schon mit einem „Sprich nicht so über deine Lehrerin!“ kontern? Schlüpfen wir in die Rolle des Mädchens: Nach einem langen Schultag kommst du mit einiger Wut im Bauch nach Hause. Als du zur Tür reinkommst, lässt du deinem Frust freien Lauf. Die Reaktion ist ein abschmetterndes „Sprich nicht so über deine Lehrerin!“ Fühlst du dich gehört und verstanden? Was würde es brauchen, damit du dich in deinem Frust angenommen fühlst? Sicher willst du einfach ausreden können und dich angenommen fühlen, auch wenn du wütend bist. So kannst du selbst Ordnung in deine Gedanken bekommen, fühlst dich erleichtert und hast dann wahrscheinlich gleich selbst eine Idee oder Einsicht. Das muss kein stundenlanges Gespräch werden. Worum es geht, ist die Haltung, die du an den Tag legst, wenn du auf die Gefühle des Kindes eingehen willst. Atme einmal tief durch, nimm dir ganz Zeit und höre aufmerksam zu, ohne dabei das Geschirr wegzuräumen oder auf’s Handy zu schauen. Auch, wenn in dir gleich mehrere „Aber“ anspringen. Es wird keine perfekte Lösung von dir erwartet. Damit vermittelst du deinem Kind das Gefühl, sich öffnen zu können. Es kann sich dir anvertrauen und fühlt sich angenommen. So kannst du dich ins Gespräch einbringen: Schweigend zuhören: Wenn es aus deinem Kind heraussprudelt, am besten zulassen, dass es so richtig Dampf ablässt. Wichtig ist eine wohlwollende innere Haltung. Ein anderes Kind braucht vielleicht einen „Türöffner“ wie „Ich habe das Gefühl, dich bedrückt was.“ Wiederholen: „Aha, du ärgerst dich über deine Lehrerin.“ Das klingt wie eine Mischung aus Frage und Feststellung und zeigt deinem Kind, dass du es gehört und verstanden hast und es ist eine Einladung zum Weiterreden. Vor allem die Gefühle, die du in dem Erzählten hörst, sprichst du an. Durch das Benennen der Gefühle deines Kindes bekommt es selber Klarheit darüber und fühlt sich verstanden. Emotionen werden oft dadurch schon bewältigt. Achte allerdings darauf, ob das Kind deine Interpretation bestätigt! Pausen aushalten: Eine Gesprächspause ist für dich vielleicht eine Gelegenheit zu sagen, was dir auf der Zunge liegt. Dabei zeigt eine Pause oft einen ganz intensiven inneren Suchprozess. Das Kind steht oft unmittelbar vor der entscheidenden Erkenntnis. Dauert das Schweigen eine Weile und es kommt nichts weiter vom Kind, kannst du nachfragen: „Möchtest du dazu noch etwas sagen?“ Zusammenfassen: Wenn dein Kind viel erzählt hat, ist es gut, das Gesagte zusammenzufassen, z.B.: „Habe ich dich richtig verstanden, dass…“. Das hilft dir, das Erzählte richtig zu verstehen und dein Kind bekommt mehr Ordnung in seine Gedanken. Außerdem ist es eine Chance, Missverständnisse zu klären, wenn etwas falsch angekommen ist. Feedback anbieten: Auf dem Weg zu einer Einsicht kann es hilfreich sein, deinem Kind zu sagen, wie das Gesagte bei dir ankommt und wie du dein Kind momentan wahrnimmst. Es ist eine kurze, nicht wertende Information, wie ein rascher Blick in den Spiegel. Zum Beispiel: „Ich merke, wie sehr dich das beschäftigt.“ Wenn das Kind deine Interpretation nicht passend findet, dann akzeptierst du das. Tiefer gehen: Fühlt dein Kind sich erleichtert, kannst du nachfragen oder eigene Gedanken anbringen: „Kann ich dir eine Frage stellen?“ Wenn das Kind mit den Anmerkungen momentan nichts anfangen kann, dann lasse das so stehen: „Überlege einfach, ob was für dich dabei war.“ Für weniger Stress und mehr Freude in der Erziehung!  

Katharina Maderthaner, MSc (Counseling) www.elternwerkstatt.at



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