„Familienmitglied“ Smartphone?

Glückliche Familie mit zwei Kindern macht ein Selfie

Bild: Robert Kneschke/Fotolia.com

Ein Smartphone, rasches Erreichbar-Sein, neue Medien – auch aus dem Familienalltag kaum noch wegzudenken. Sobald die Kinder ihren Schulweg alleine bewältigen, stellt sich in vielen Familien die Frage: Wäre ein Handy für unser Kind sinnvoll?

 

Ein Handy schon im Volksschulalter?

2014 wurde im Rahmen der 4. Oberösterreichischen Kinder- und Medienstudie erhoben, dass unter den 6- bis 10-Jährigen knapp 40% ein Handy oder Smartphone besitzen. Ist das Jugendalter erreicht, nimmt die Zahl der HandybesitzerInnen deutlich zu. Ab wann ist es tatsächlich sinnvoll, dass ein Kind ein Handy besitzt? 

Für Volksschulkinder haben Handy oder Smartphone überwiegend Spielzeug-Charakter. Mit einem eigenen Smartphone fühlt sich ein Kind der Erwachsenenwelt ein großes Stück näher – wie aufregend und spannend! Doch auch, wenn ein Handy für’s Kind im Alltag organisatorisch Erleichterungen bringen mag – kann ich meinem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Gerät schon zutrauen? Und wie steht es um die oft warnend angesprochene Strahlenbelastung, die von einem Handy ausgeht? Verträgt sich das mit dem sich entwickelnden Körper meines Kindes?

 

So kannst du dein Kind auf den Umgang mit einem Smartphone vorbereiten

Wiege ab: Ist ein Handy wirklich notwendig, wenn dein Kind außer Haus ist? Oder könnte es auch vom Telefon bei der Freundin zuhause anrufen, wenn es gut angekommen ist? Wenn es den Bus verpasst, was kann dein Kind dann machen? Übt als Vorbereitung den Schulweg gemeinsam und zeige deinem Kind, wie es einen Fahr- oder Linienplan lesen kann. Auch BusfahrerInnen sind gute Auskunftstellen bei Fragen.

Im Volksschulalter könnte ein Handy im Familienbesitz dem Kind für den Schulweg zur Verfügung gestellt werden. Als Familienstück achten alle auf einen wertschätzenden Umgang damit. Klar ist, dass es der Kommunikation mit der Familie dient und so sind nur Nummern darauf gespeichert, die dafür wichtig sind und nur von Personen, die die Eltern kennen.

Bekommt dein Kind ein eigenes Mobiltelefon, hat zum Einstieg ein Wertkartenhandy Vorteile: Das Kind lernt dadurch, dass Telefonieren, SMS schreiben und Internet surfen etwas wert ist, etwas kostet. Durch Smartphones um € 0,- kann leicht der Eindruck entstehen, dass ein Handy und seine Nutzung nichts kosten. Das begünstigt eine „Wegwerf-Mentalität“: Wofür darauf aufpassen, ein Neues kostet ja nichts.

Vereinbare in deiner Familie klare Benutzungs- und Ausschaltzeiten von elektronischen Geräten. Beispielsweise die Mahlzeiten, Hausübungszeiten, gemeinsame Ausflüge und die Nacht bleiben handyfrei – auch für die Eltern.

Kinder lernen am Modell. Sie beobachten aufmerksam, wie Handy und Co. bei den Eltern im Einsatz sind und orientieren sich daran. Das ist ein guter Zeitpunkt, auch für dich zu überlegen, wie wichtig für dich beispielsweise das Handy ist. Ist es für dich üblich, dass du während gemeinsamer Spaziergänge telefonierst oder beim Essen aufstehst um eine Nachricht zu beantworten, wird dein Kind das als okay und normal übernehmen.

Sprich mit deinem Kind darüber, was es gerne am Handy macht. Was sieht es sich im Internet an, was spielt es gerne? Das gibt dir Gelegenheit, mit dem Kind darüber zu reden, wenn es mit unangemessenen Inhalten wie Gewalt oder sexualisierten Bildern konfrontiert wurde.

 

Jugendlichen ist noch mehr zuzutrauen

Auch für Jugendliche gelten die in der Familie vereinbarten Benutzungs- und Ausschaltzeiten. Sei auch mit deinem Teenager im Gespräch darüber, was er oder sie durch Handy und Internet alles erlebt.

Ein Smartphone zu besitzen ist als Teenager quasi Pflicht, um mit den Freunden im Kontakt zu sein. Zeige deinem Kind, dass du diesen Wunsch anerkennst und verwende „Handyverbot“ nicht als Konsequenz für Grenzübertretungen. Ausnahme: Regeln, die das Handy direkt betreffen wurden gebrochen.

Traue deinem jugendlichen Kind zu, dass es etwas zu seinem Wunsch nach einem Smartphone beisteuert. Es kann zum Beispiel einen angemessenen Teil der Anschaffungs- oder Nutzungskosten vom Taschengeld abdecken.

Informiere dich mit deinem Kind über Risiken im Umgang mit Handy und Internet. Welche Kostenfallen oder betrügerischen Tricks gibt es? Wie kann dein Kind mit grenzüberschreitenden Inhalten umgehen? Wie steht es mit Suchtgefahr oder Gesundheitsgefährdungen?

 

Sei besonders achtsam im Umgang mit elektronischen Geräten…

… wenn dein Kind eine Beschäftigung am Handy oder PC etc. nutzt, um einem Konflikt oder Problem aus dem Weg zu gehen oder sich von einem unangenehmen Gefühl abzulenken.

…wenn das ständige Erreichbar-Sein zum Zwang für dein Kind wird.

„Handysucht“ als solche ist aus wissenschaftlicher Sicht keine Diagnose. Trotzdem ist der Umgang mit dem Handy oft Grund zur Sorge für die Eltern. Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang:

Vorab Grenzen ausmachen, z.B. Benutzungs- und Ausschaltzeiten. Die Einhaltung gemeinsam aufgestellter Regeln einfordern und dabei Widerstand aushalten.

Einen verantwortungsvollen Umgang mit elektronischen Geräten vorleben.

Alternativen zur Verfügung stellen: Was kann dein Kind machen, wenn es sich nicht mit dem Handy beschäftigt?

 

Für weniger Stress und mehr Freude in der Erziehung!

 

Katharina Maderthaner, MSc (Counseling)

www.elternwerkstatt.at



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