Pippi, Wicki, Batman & Co: Kinder brauchen Helden

Bild: zwei Kinder fliegen als Supermann durch die Luft

Bild: halfpoint/fotolia

Vorbilder und Helden begleiten unsere Kinder von klein auf. Warum sie wichtig sind, wie sie wirken und wie Eltern damit umgehen sollen, erklärt Grünschnabel hier.

 

Wenn dein Sohn über Monate nur Batman im Kopf hat, sollte dich das nicht beunruhigen. Je nach Lebensphase sucht ein Kind außerhalb der Familie Figuren, mit denen es sich identifizieren kann. Ob Muskelprotz oder Schlauberger, Kinder wollen mit zunehmendem Alter Neues ausprobieren und Unbekanntes wagen und suchen sich dafür Vorbilder. Der kleine Wicki schafft es mit seinem Grips immer wieder, die großen starken Männer und seinen Vater zu beeindrucken. Pippi Langstrumpf setzt sich über Konventionen der Erwachsenen hinweg und macht viel Unsinn. Für Kinder bieten diese Figuren wichtige Projektionsflächen.

Kinder dürfen ungestört in die Welt der Phantasie eintauchen. Dort finden sie Orientierungshilfe auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Und es macht Spaß, davon zu träumen, groß und stark zu sein.

Spiderman, Batman, Bibi Bloxberg oder Ronja Räubertochter sind so, wie die Kinder selbst gerne wären. Dabei spielt die geschlechtsspezifische Identität eine wichtige Rolle. Mädchen können meist mit den Helden der Buben nichts anfangen. Sie suchen betont weibliche Figuren, die ihnen helfen, ihre eigene Weiblichkeit zu entdecken und zu entwickeln.

Je älter die Kinder werden, desto eher durchschauen sie das Märchenhafte an ihren Helden und suchen Figuren, die komplexer sind und eher realistischere Eigenschaften haben.

„Zauberkräfte und übermenschliche Fähigkeiten sind bei älteren Kindern dann ‘out’. Helden, die durch Raffinesse, coole Sprüche und mit Hilfe überlegener technischer Ausrüstung siegen, werden jetzt bevorzugt“, so Prof. Dr. B. Schorb in „Fernsehen im Alltag der Kinder“.

 

Superhelden, gibt´s die wirklich? Über Superhirne und Superkräfte… 

Info im Wissenslexikon für Kinder vom Bayrischen Rundfunk

 

Mama und Papa als Helden?

Eltern haben zwar ihren wichtigen Platz als Vorbilder, vor allem auch in ihren weiblichen und männlichen Rollen, doch Kinder wollen die Welt ohne ihre ständige Fürsorge erobern. Sie suchen eine größere Palette an Möglichkeiten und Lösungen für die Herausforderungen des Lebens als die, die ihnen ihre Eltern vorleben. Helden lassen sich übrigens nicht nur im Fernsehen finden, auch die Feuerwehrfrau aus der Nachbarschaft oder der Kindergartenbetreuer, die rüstige Oma auf dem Traktor oder der große Bruder vom Schulkollegen können zu heimlichen Stars werden.

 

Falsche Helden

Über die Gefahr von zuviel Gewalt und zu betonter Männlichkeit bei Kinderhelden schreibt Michaela Kienberger, Kommunikationswissenschafterin, Medienpädagogin und zertifizierte Elternbildnerin in eltern-bildung.at: „Problematisch dabei sind oft die Verknüpfung von Gewalt und Geschlecht und die Gefahr der Prägung eines dementsprechenden Weltbildes in Bezug auf Männer und Frauen. Ein solches Männlichkeitsbild ist weder wünschenswert noch alltagstauglich und hat vor allem auf Burschen, die auch in ihrem realen Alltag Gewalt als probates Mittel zur Durchsetzung von Interessen vorgelebt bekommen, negative Auswirkungen.

 

Auch die starke Fixierung vor allem von Mädchen auf Fernsehstars aus Castingshows oder Dailysoaps führe zu einem verzerrten Bild der Realität, so Kienberger. Das habe ungesunde Erwartungen und Traumvorstellungen zur Folge, da die Kandidatinnen einem gewissen und fragwürdigen Schönheitsideal entsprechen.

Mehr Infos auf eltern-bildung über Medien und geschlechtsspezifische Inhalte.

 

Tipps im Umgang mit kindlichen Helden

Beobachte, für welche Figuren dein Kind sich zurzeit interessiert und nimm teil an seiner Faszination.

Akzeptiere, dass die Helden deiner Kindheit heute nicht mehr aktuell sein müssen.

Respektiere die Helden deines Kindes. Nimm sie ernst.

Sprich über Rollenklischees: Auch Buben dürfen weinen und Mädchen stark sein.
 
Kontrolliere die TV- und PC-Nutzungszeit.
 
Sprich mit deinem Kind über die Anschaffung von Merchandising-Produkten und handle mit ihm vernünftige Kaufentscheidungen aus. Vielleicht könnt ihr auch mit anderen Kindern tauschen? 
 

Buchtipps

 

Hier kommt Boris: Auch kleine Tiere brauchen einen großen Helden

Von Carrie Weston, für Kinder ab 3 Jahren

Auf starke Freunde kann man sich verlassen. Die Klasse von Frau Gacker freut sich auf das Theaterstück, das sie einstudiert hat. Doch am Tag der Aufführung bleibt ihr Publikum, die Kindergartenklasse von Frau Watschel, auf dem Weg im Schlamm stecken! Jetzt wissen alle, wen sie brauchen: Boris, den schnellsten, mutigsten und stärksten Bär der Welt! Eine Geschichte über Schule, Hilfsbereitschaft und Freundschaft (Quelle amazon.de)

 

Für Eltern:

 

Heldinnen im Kinderfernsehen: “Disney’s Kim Possible” und die Wirkung vorgelebter Geschlechterrollen auf Kinder, von Angela Wolter

 

Eine Studie über die Bedeutung von Medienhelden für die charakterliche Entwicklung und die Beziehung zum alltäglichen Leben. Die Darstellung von weiblichen und männlichen Helden in traditionellen Geschlechterrollen übt demnach eine große Wirkung auf Kinder aus.

 

 

 

 

 

 

Für Kinder ab 4 Jahren

 

Kleine Helden – großer Mut: Geschichten, die stark machen

Von Angelika Bartram, Jan-Uwe Rogge, Annette Swoboda

Die kleine Prinzessin Schlotterinchen kann vor lauter Angst gar nicht mehr aufhören zu schlottern. Der König ist hilflos, doch der weise Jau-Jau weiß Rat. Er erzählt der Prinzessin Geschichten, die stark machen: vom Sternenmädchen Sina, von Fridolin und seinem Zauberspiegel, von Annas Seifenblasentraum, vom Gewitterdrachen Gundolf und von vielen anderen kleinen Helden. Und als in einer Geschichte Ritter Zitter all seinen Mut zusammennimmt, um der kleinen Prinzessin zu helfen, weiß Schlotterinchen, dass auch sie ihre Angst überwinden kann. (Quelle amazon.de)

Isabel Höglinger

 



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