“Teenager fährt weg, Erwachsener kommt zurück“

Einen unbezahlbaren Schatz an Erfahrungen sammeln Jugendliche als Austauschschüler in einem anderen Land. Foto: Fotolia/mkrberlin

Einen unbezahlbaren Schatz an Erfahrungen sammeln Jugendliche als Austauschschüler in einem anderen Land. Foto: Fotolia/mkrberlin

Die Schüleraustausch-organisation AFS vermittelt seit 70 Jahren SchülerInnen zwischen 15 und 18 Jahren an Gastfamilien in der ganzen Welt, damit sie das Alltagsleben fern der Heimat kennen lernen. „Ein Teenager fährt weg, ein Erwachsener kommt zurück“, so fasst Patrick Hamatschek von AFS zusammen, was ein Schüleraustausch einem Jugendlichen bringen kann.

So funktioniert AFS: Ruth verbrachte mit 16 Jahren ein Schuljahr in Panama, lebte dort bei einer Gastfamilie als drittes Kind in der Familie mit, ging zur Schule, bereiste das Land und lernte Sprache, Kultur, tägliches Leben und Besonderheiten des Landes kennen. Organisiert und betreut wurde ihr Aufenthalt von AFS, der ältesten Schüleraustauschorganisation der Welt.

Obwohl Ruth wie die meisten AFS-Schüler zuvor einen Sprachkurs besucht hatte, war die sprachliche Barriere zu Beginn ihres Aufenthalts bei der Gastfamilie hoch. Patrick Hamatschek von AFS: „Es ist viel Selbstreflexion nötig. Die Jugendlichen sind plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen. Das trägt allerdings zu ihrem Reifungsprozess bei. Ein Teenager fährt weg, ein Erwachsener kehrt zurück.“

AFS versteht sich nicht als reines Sprachprogramm, vielmehr geht es um interkulturelles Lernen. Dazu Hamatschek: „Die Kompetenzen, die die Schüler sich in dem Jahr aneignen, sind unbezahlbar – ein Schatz, den man sein ganzes Leben lang in sich trägt.“ Hat man doch in dem Austauschjahr nicht nur die Sprache und Kultur, sondern meist auch viele neue Menschen kennen gelernt. Vorteil des AFS-Netzwerks ist nicht nur, dass man im Land rasch Kontakte zu anderen AFS-Leuten knüpfen kann, sondern auch die ständige Betreuung bei Fragen oder Problemen durch Freiwillige. Auch nach dem Auslandsaufenthalt reißt der Kontakt häufig nicht ab.

Weltumspannende Gemeinschaft
Die AFS-Community ist weltumspannend. Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in Wien wurde ursprünglich nicht als Bildungsorganisation, sondern als Friedensinitiative gegründet, wie Programmdirektor Patrick Hamatschek erklärt. „Nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges wurden Schüler ins Ausland geschickt, um dort das Land des ehemaligen Feindes kennen zu lernen. Das hat bekanntlich nicht immer funktioniert, umso wichtiger ist es daher.“

Heute steht beim Schüleraustausch das Erweitern des Horizonts für junge Menschen im Vordergrund, das Kennenlernen einer anderen Alltagskultur, aber auch das Erlernen einer dritten Fremdsprache neben Englisch. SchülerInnen zwischen 15 und 18 Jahren können über AFS ins Ausland gehen, Austauschprogramme für drei, fünf oder zehn Monate werden angeboten.

„Das 10-Monats-Programm ist mit Abstand das beliebteste“, so Hamatschek. Dabei fallen Kosten von 8.600 Euro an für einen außereuropäischen Aufenthalt und 7.300 Euro für einen innereuropäischen Aufenthalt. Darin inkludiert sind die Reisekosten, die Betreuung vor Ort, ein 24-Stunden-Notfalldienst, Kranken- und Unfallversicherung, die Schulfahrtkosten, Schulbücher, sowie die Fahrtkosten zu AFS-Veranstaltungen im Land.

Kosten zwischen 7.300 und 8600 Euro
Nicht eingeschlossen sind die Kosten für Verpflegung und Logis in der Gastfamilie, in der der Jugendliche während seines Aufenthaltes lebt. „Diese werden von den Gastfamilien getragen. Die Familie nimmt den jungen Menschen aus dem Ausland wie ein weiteres Familienmitglied auf, mit allen Rechten und Pflichten. Dieser versteht sich demnach nicht als Gast oder gar Au-Pair, sondern erlebt idealerweise möglichst viel vom Alltag der Gastfamilie.“

Wie werden diese ausgewählt? „Wir suchen proaktiv Gastfamilien, sei es nun in den USA, China, Japan, Panama – oder Österreich“, sagt Hamatschek. Meist entschließt sich eine Familie dazu, eine/n AustauschschülerIn aufzunehmen, weil es über Mundpropaganda auf den Schüleraustausch mit AFS aufmerksam gemacht wurde. Viele Gastfamilien wollen sich so „die Welt ins Haus zu holen“, betont Hamatschek. „Dadurch wird die Welt ein wenig kleiner. Man reflektiert sich und seine Lebensweise viel bewusster, wenn man einen Gast im Haus hat, für den viele der alltäglichen Angewohnheiten völlig neu sind.“

AFS ist die erfahrenste und älteste Schüleraustauschorganisation der Welt. Gegründet und begleitet wird AFS von ehrenamtlichen, verwaltet von hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Seit 1947 bereitet AFS Jugendliche auf ihre interkulturelle Lernerfahrung vor und begleitet sie während und auch nach dem Programm. AFS hilft Jugendlichen etwas über die Welt außerhalb der eigenen Gesellschaft zu erfahren – und vorbehaltlos mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu interagieren.

www.afs.at

Maria Zamut



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