Statt Konkurrenz „Die Kraft des Wir“

"75 Prozent des Lernens läuft über informelle Prozesse wie Erfahren und Erleben", so Margret Rasfeld. Foto: Fotolia/Chinnapong

“75 Prozent des Lernens läuft über informelle Prozesse wie Erfahren und Erleben”, so Margret Rasfeld. Foto: Fotolia/Chinnapong

Statt Effizienz sind die wichtigsten Zukunftskompetenzen Kreativität, Empathie, Eigeninitiative und interkulturelles Verständnis, findet die Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld, Erfinderin der „Schule im Aufbruch“. Und: Anstelle von Konkurrenz und Selektion bedarf es der „Kraft des Wir“. Das herkömmliche Schulsystem hinkt hier noch nach, so Rasfeld.

„Wir sind die erste Generation, die nicht mehr sagen kann: Unsere Kinder werden es einmal besser haben als wir“, so beginnt Margret Rasfeld ihren Vortrag in Oberösterreich. Sie sieht unsere Gesellschaft mit drei großen Krisen konfrontiert: Der ökologischen Krise, die zu einer Entfremdung gegenüber der Umwelt geführt hat. Die soziale Krise hat uns von unseren Mitmenschen entfernt, während sie mit der Sinnkrise die Entfremdung von uns selbst meint.

„Um unsere Kinder auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten, bedarf es einer Transformation an den Schulen. Personalchefs suchen nicht mehr Leute mit guten Noten, sondern mit Meta-Kompetenzen für die Zukunft wie Eigeninitiative, Verantwortungsgefühl, Ideenreichtum und Kreativität“.

Die meisten Schulen bereiten ihre SchülerInnen darauf nur bedingt vor. Man denke an das klassische Schulmodell mit Bankreihen und Ausrichtung der SchülerInnen nach vorne zu einer Tafel, an der LehrerInnen im Frontalunterricht lehren. „Während früher in der Arbeitswelt Effizienz im Vordergrund stand, sind in der Arbeitswelt Neu Fähigkeiten wie Vernetzen, Querdenken, Innovation, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, wie auch soziale Kriterien wie Empathie gefragt“, sagt Rasfeld.

Von Konkurrenz zur Kraft des Wir
Potenzialentfaltung lautet das Zauberwort, so Rasfeld. Dies sei verbunden mit Sinn, Visionen, Loslassen, Zutrauen, Mut zum ergebnisoffenen Prozess. „So lange Kinder nicht in die Schule gehen, lernen sie alles. 75 Prozent des Lernens läuft über informelle Prozesse wie Erfahren und Erleben.“ Es gelte, an einer Transformation vom Höher, Schneller, Weiter hin zur „Kraft des Wir“ voranzutreiben.

Noten als Instrument der Selektion
Herkömmliche Schulen arbeiteten nach veralteten Prinzipien, so Rasfeld. „Noten sind ein Instrument der Selektion, das Konkurrenz schafft. Wir laufen in diesem Hamsterrad wie die Eltern auch, dabei sind Kreativität, Empathie und interkulturelles Verständnis die wichtigsten Zukunftskompetenzen.“ Stress entsteht häufig auch wegen der fehlenden Möglichkeit zu Teilhabe und Selbstbestimmung.

Gemeinschaft und Wachsen statt Druck
Lernen passiere ganz stark über Beziehung. Rasfeld stellt die Frage in den Raum: „Wie soll ein Lehrer, der am Vormittag von einer Klasse in die nächste läuft, jeden seiner bis zu 150 SchülerInnen individuell fördern und wertschätzen?“ Viele Kinder leiden nicht nur unter der Zerstückelung der Schulstunden, sondern auch unter Fremdbestimmung, Bewertung und Kontrolle. Auch viele Eltern üben Druck auf ihre Kinder aus. Sodass es schon 9-Jährige gibt, die depressiv sind. Dabei werden die beiden Grundbedürfnisse der Heranwachsenden nicht erfüllt: Der Wunsch nach Gemeinschaft und nach Wachsen.

50 Prozent des Humankapitals ungenutzt
Aufgrund von Klimawandel, Flüchtlingskrisen, Artensterben, Ressourcenknappheit etc. stehen wir immensen Herausforderungen gegenüber. „Gleichzeitig werden 50 Prozent des humanen Kapitals einfach nicht gehoben“, so Rasfeld. „Dabei hatten wir noch nie eine so engagierte Jugend. Viele wollen später einer sinnhaften Arbeit nachgehen, auch wenn sie dabei weniger verdienen werden.“

 

Maria Zamut



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