Ethik – was ist das?

Würfel mit Buchstaben: Moral, Ethik, Werte

Bild: dima_pics/Fotolia.com

Unterstützt von zahlreichen Experten soll ein verbindlicher Ethik- und Religionenunterricht an allen österreichischen Schulen eingeführt werden. Doch was genau soll in diesem Fach unterrichtet werden? Was ist Ethik überhaupt? Wir haben recherchiert und die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

 

Was bedeutet Ethik?

Ethik ist die Lehre vom Ethos, also von den Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen einer Gemeinschaft, speziellen sozialen Gruppen oder einzelnen Personen (vor allem philosophisch betrachtet).

Anders gesagt: Ethik ist die Lehre von der gelebten Moral bzw. den sozialen Grundwerten einer Gesellschaft. Also dem, was in einer Gesellschaft als moralisch richtig oder falsch empfunden wird.

Diese moralischen Vorstellungen sind eng verknüpft mit der Kultur, den Religionen, Weltanschauungen und der Geschichte eines Landes.

 

Formen der Ethik

Im Unterschied zur religiösen Ethik, in der es primär um eine ganz bestimmte Werteerziehung geht (z. B. der christlichen Weltanschauung im Christentum), versucht die philosophische Ethik eine bestimmte Weltanschauung zu begründen oder zu reflektieren, z.B. von Sokrates, Friedrich Nietzsche, Arthur Schoppenhauer oder Karl Marx.

 

Österreichs Schulen vermitteln Ethik auf drei unterschiedliche Arten:

 

  • Moralisch-handlungsorientiert

Hier werden die Schülerinnen und Schüler mit bestimmten bestehenden Normen und Werten bekannt gemacht, auf deren Basis sie sich ein eigenes Urteil bilden sollen (vor allem in Vorarlberg und Tirol).


  • Ethisch-reflexiv
    Die Schülerinnen und Schüler werden animiert über Moral und Recht zu reflektieren, bestehende Werte und Normen kritisch überprüfen, bevor sie sie in ihr Wertesystem integrieren. Dabei sollen sie eigene Wertvorstellungen entwickeln, wie z.B. dass Manager für Fehlentscheidungen mit ihrem finanziellen Vermögen haften müssen(überwiegend in Oberösterreich und Salzburg).

 

  • Lebenskundlich-hermeneutisch

Hier stehen die Persönlichkeit und Erfahrungswelt der Jugendlichen im Mittelpunkt. Themen wie Identitätsfindung, Persönlichkeitsbildung und Soziales Lernen sind genauso wichtig wie praktische Handlungstipps und –methoden. Auch die Beantwortung der Frage nach dem Sinn des Lebens spielt eine wichtige Rolle (vor allem im Bundesland Wien).

 

Einige Wiener Schulen nehmen sich im Ethikunterricht verstärkt dem Erziehungsauftrag an. Das heißt, sie versuchen durch den Ehtikunterricht Bildungsdefizite in Bereichen der Religionen, Weltanschauungen und Kultur bei jenen Schülern beheben, die an keinem Religionsunterricht teilnehmen.

 

Themen, die im Ethikunterricht behandelt werden

Religiöse Ethik: religiöse Weltanschauungen, private Religiösität, spirituelle Identität

Philosophische Ethik: Weltanschauungen, kulturelle Wurzeln, Initiationsriten eigener und fremder Kulturen

politische Ethik: Friede, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Zivilcourage, ziviler Ungehorsam, soziale Identität

Berufsethik: menschenwürdige Arbeitsbedingungen, angemessene Entlohnung, Arbeitsrecht

Individualethik: personale Identität, Lebensgestaltung, Grenzsituationen und -erfahrungen, Wachsen und Scheitern durch Krisen: Süchte, Mobbing, Trennung, Scheidung, Alter, Krankheit, Suizid, Tod

Rechtsethik: Gesetze und deren Sinnhaftigkeit (Steinigung, Todesstrafe u. ä.)

Sexualethik: sexuelles Verhalten in der Gesellschaft, Homosexualität, Prostitution uvm.

Bioethik: medizinische und technische Anwendungen, Umweltschutz – wie z. B. Reproduktionsmedizin, Sterbehilfe, Abtreibung, Gentechnologie, Tierethik

Medienethik: Bedeutung und Auswirkungen von Medien und deren Nutzung für die Gesellschaft und ihre Individuen

Wirtschaftsethik: Folgen wirtschaftlichen Handelns auf Mensch und Natur, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit

 

Was bringt der Ethikunterricht?

Univ.-Prof. Dr. Anton Bucher, Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg, berichtete bei der letzten parlamentarischen Enquete zu diesem Thema, dass nach nur einem Jahr zusätzlichen Ethikunterricht ausländerfeindliche Stereotypen ebenso zurückgegangen seien wie das relativistische Lebensgefühl, dass ohnehin alles egal sei. Auch die ökologische Handlungsbereitschaft sei gestiegen, so wie die Toleranz innerhalb von Gruppen mit unterschiedlichen Religionen.

 

 

Buchtipps und Links

“Der Ethikunterricht in Österreich”, Anton A. Bucher

 

 

Quellen:

https://www.sbg.ac.at/pth/people/bucher/evaluation.htm#_ftn1

http://www.schulamt.at/index.php/religionsunterricht/ethikunterricht

http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2011/PK0440/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik

 

Sabine Blöchl



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *