Bio-Jeans aus dem Mühlviertel

Viele Jeans legen eine halbe Weltreise zurück, bevor man sie in den Händen hält. Ein Mühlviertler Landwirt bietet nun eine Bio-Jeans nach Maß an, die insgesamt nur 3000 km hinter sich hat.

Kind schaut durch seine Beine

Ökojeans auch für Kinder. Bild: dorazett.fotolia

Jeder Fertigungsschritt einer Jeans findet in einem anderen Land statt. Der Transport von rund 50.000 Kilometern wirkt sich sehr negativ auf unser Ökosystem aus. Jede Menge Erdöl und Wasser wird verbraucht. Große Mengen Kohlendioxid verpuffen in der Luft. Chemikalien verpesten Flüsse und gelangen in Böden. Arbeiter müssen meist ohne Schutzkleidung arbeiten und erkranken aufgrund der ungesunden Arbeitsbedingungen. Vom Verkaufspreis landet nur ein winziger Teil bei den Arbeitern. Diese leben oft in unmenschlichen Verhältnissen.

Endstation Afrika

Nachdem die Jeans in Österreich gekauft, getragen und altmodisch geworden ist, wandert sie meistens in die Altkleidersammlung. Von dort nach Afrika verkauft, zerstört sie dort den heimischen Textilmarkt.

Was kannst du tun?

Der Markt für alternative, biologisch und fair hergestellte Textilien ist noch klein, wächst aber stetig.

Einer der Pioniere für biologische Jeans sitzt im Mühlviertel. Stefan Fölser ist 69 Jahre alt und gelernter Landwirt. 1987 begann Fölser mit dem Flachsanbau. Er entwickelte geeignete Erntemaschinen und gründete schließlich 1998 in Helfenberg sein kleines Unternehmen Naturfaser Fölser, kurz NFF. Seitdem produziert er Flachsfasern, die er als Dämm-Material verkauft und zu Bio-Jeans weiterverarbeiten lässt. Grünschnabel sprach mit dem engagierten Mühlviertler.

Grünschnabel: Wie kam es zu der Idee, Bio-Jeans herzustellen?

Fölser: Nachdem mein Vater Webmeister war und ich mich als Landwirt seit langem mit der vielfältigen Flachsfaser befasst hatte, kam ich auf die Idee, daraus Stoff weben zu lassen. Wir haben ja auch hier im Mühlviertel eine lange Tradition der Leinenweberei. 

Grünschnabel: Wie entsteht eine Bio-Jeans?

Stefan Fölser an einem Verkaufsstand

Bio-Jeanspionier Stefan Fölser

Fölser: Ich gewinne aus dem Flachs-Stroh eine Faser. Die wird in Tschechien halb/halb mit biologisch hergestellter griechischer Baumwolle zu Garn gesponnen. Das Garn wird in Wien mit einem biologischen Verfahren gefärbt. Die Leinenweberei Vieböck in Helfenberg webt schließlich aus dem Garn einen Stoff. Wenn dann meine Schneiderin hier vor Ort die Jeans nach Vorlage näht, hat sie nur rund 3000 Kilometer zurückgelegt. Und sie ist völlig biologisch, ressourcenschonend und regional hergestellt. 

Grünschnabel: Wieviele Ökohosen haben Sie schon verkauft?

Fölser: Rund 1200 werden es wohl gewesen sein. Die Nachfrage steigt. Das ist auch ein echt erfreulicher Trend, denn unsere Bio-Jeans sind wirklich angenehm zu tragen und mit 90 Euro nicht wirklich teuer. 

Grünschnabel: Wie kommt man an eine Hose?

Fölser: Schicken Sie uns per Post Ihre Lieblingsjeans, die perfekt passt. Unsere Schneiderin näht nach dieser Vorlage die „Wunschhose“. Sie können zwischen verschiedenen Denimmustern wählen. Auch Sonderwünsche sind möglich. Nach 6 bis 8 Wochen erhalten Sie Ihre NFF-Jeans. Der Preis von 90,- € versteht sich ohne Versandkosten. Bei Nachbestellung ohne Veränderung reduziert sich der Preis um 5,00 € . Die Verrechnung erfolgt über Rechnung mit beigelegtem Zahlschein. Versand Österreich- und EU-weit.

Mehr Infos über die Bio-Jeans von Naturfaser Fölser

Die Leinenweberei Vieböck in Helfenberg

Alles über Ökojeans von der österreichischen Umweltberatung

Alles über Ökolabels für Textilien

Isabel Höglinger



11 Antworten auf Bio-Jeans aus dem Mühlviertel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.