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Jeder kann aufräumen, oder?

Foto: Robert Maybach

Foto: Robert Maybach

„Aufräumen kann jeder, aber mir geht es um Ordnung als nachhaltiges Konzept“, erklärt „Ordnungsprofi“ Julia Neubauer (30) aus Linz, seit Oktober letzten Jahres auch bekannt als „Die Aufräumerin“. Sie berät Menschen, die sich selbst schwer tun beim Ausmisten, Aufräumen und praktische Ordnungssysteme finden. Die Mutter einer zweijährigen Tochter war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und machte ihre Leidenschaft zum Beruf. Dabei geht es ihr um Aufräumen im weitesten Sinn: „Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden, die es auf Dauer leichter machen, Ordnung und alles am Laufen zu halten. So dass ich nicht das Gefühl habe, ich gehe im Chaos unter.“ Mit wenigen Handgriffen soll es dann im Büro, im Kleiderkasten, im Home-Office, etc. möglich sein, ein vorzeigbares Umfeld zu schaffen, wo man sich wohlfühlt und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Auf die Frage, ob sie denn selbst so ein Ordnungsfreak sei und womöglich das Klischee des Sternzeichens „Jungfrau“ erfülle, muss Neubauer schmunzeln: „Erstens bin ich Widder und zweitens darf zwar jederzeit Überraschungsbesuch bei mir kommen, er darf aber nicht erwarten, dass es superaufgeräumt ist. Schließlich habe ich eine zweijährige Tochter.“ Aber - immerhin - innerhalb von 15 Minuten könne sie die gesamte Wohnung vorzeigbar machen. Und das sollte auch bei anderen möglich sein. Aufräum-Beratung Wie läuft nun eine Aufräum-Beratung ab? „Nach einem telefonischen Erstgespräch kenne ich das konkrete Anliegen, eventuell erhalte ich Fotos anhand derer ich Vorschläge ausarbeite und mögliches Zubehör dafür empfehle. Dann komme ich vorbei und wir gehen gemeinsam das Projekt an“, erläutert Neubauer, die ihre Arbeit als Hilfe zur Selbsthilfe sieht. Dabei geht’s bei vielen wie so oft um das Anfangen, den ersten Schritt, der so unbewältigbar erscheint. „Mit etwas Hilfe geht’s oft viel schneller, als man dachte.“ Dabei kommt es auch darauf an, wie die eigenen Bedürfnisse sind und es ist Aufgabe des Profis, herauszufinden, was am Ende individuell passend rauskommen soll. Je einfacher, desto besser. Tipps von Ordnungs-Profi Julia Neubauer: 1. Überlege dir, wie schaut dein Alltag aus, was brauchst du im Alltag? Musst du die Ballkleider immer vor der Nase im Kasten haben, wo du doch nie auf einen Ball gehst? Wieviel Cocktailgläser braucht es im Wohnzimmerschrank, wenn man kaum  Besuch hat? Dann kann man Dinge auch anderweitig verstauen. 2. Ein ganz großes Thema ist der Kleiderkasten: Man hänge alles mit dem Bügel verkehrtherum auf (alle Haken schauen zu mir). Nach einem halben Jahr sieht man genau, welche Bügel man nie herausgezogen hat, also auch die Kleidung nie anhatte. Diese kann man „weggeben“, also weitergeben, spenden, verkaufen, etc. Es geht darum, Dinge aus dem Alltag zu nehmen und zu schauen, ob sie fehlen. Denn wenn man sie immer vor Augen hat, hat man das Gefühl, sie sind Teil des Lebens und man braucht sie, was oftmals gar nicht stimmt. 3. Trenne dich von Dingen, die kaputt sind und die du auch nach einem halben Jahr noch nicht repariert hast. Man wird’s auch später nicht tun. Was ist denn nun eigentlich so schwierig am Ordnung halten? „Wir sind Jäger und Sammler, schließlich haben die Dinge Geld gekostet, außerdem sind wir faul. Wir nehmen uns nicht die halbe Stunde, die es kostet, es gleich wegzuräumen. Also wird das Chaos immer größer und es fällt uns immer schwerer, mit dem Wegräumen anzufangen“, erklärt Neubauer und rät, alles, was unter einer Minute an Zeit in Anspruch nimmt, sofort wegzuräumen. Denn es kostet genauso viel Energie, die Gedanken ans Aufräumen dauernd wegzuschieben. Kontakt: Julia Neubauer, www.dieaufräumerin.at [1], Tel. 0676/476 70 17

Daniela Christl