Gutes Leben für alle

Auf gleicher Höhe: Job, Familienarbeit und Ehrenamt

Mann im Rollstuhl unterhält sich mit jungem Mann, der vor ihm sitzt

Bild: iceteastock/Fotolia.com

„Was braucht es, damit alle Menschen ein wirklich gutes Leben führen können?“

Diese Frage stellt sich die Grüne Bildungswerkstatt (GBW) heuer das dritte Jahr in Folge in Form eines Jahresschwerpunkts.

Unter einem „Guten Leben für alle“ versteht Andreas Novy, Obmann der GBW und außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien: „Maßvolles Konsumieren, vernünftiges Genießen, Lebensqualität, sich körperlich und seelisch Wohlfühlen, sowie aktiv an der Gemeinschaft teilhaben.“
Wie dies in der Realität, vor allem in der politischen Wirklichkeit umgesetzt werden könnte, damit beschäftigt sich die GBW auch heuer. Novy: „Wir wollen anhand von Beispielen zeigen, wie Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit vereinbar sind“.

Unter „Guter Arbeit für alle“ sieht Andreas Novy zu allererst, dass man sich von der Vorherrschaft der Erwerbsarbeit abwendet. Durch kürzere Arbeitszeiten wird Zeit für Familien- und Hausarbeit frei. So kann diese gleichberechtigt neben ehrenamtlichem Engagement, Verdiensten im Sinne der Allgemeinheit sowie herkömmlicher Erwerbsarbeit stehen.

Ungleichgewicht ausgleichen
Zwischen diesen drei Bereichen sollte idealerweise ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. „Der Manager, der 80 Stunden die Woche in der Firma sitzt, wird wohl kaum mehr Zeit und Energie für seine Kinder oder Freiwilligenarbeit bei der Feuerwehr haben.“ Dieses Ungleichgewicht muss derzeit durch staatliche oder familiäre Unterstützung ausgeglichen werden. Es entstehen immense Kosten, die das Sozialsystem stark unter Druck bringen.

Andreas Novy merkt einen großen Wunsch in der Bevölkerung, in Richtung „Gute Arbeit für alle“ zu gehen, verspricht diese doch weniger Stress, sichere Jobs. Aber: „Derzeit leben wir noch in einem Wirtschaftssystem, das nach gänzlich anderen Kriterien funktioniert.“ Die Erwerbsarbeit steht in Zeiten der Wirtschaftskrise stark unter Druck. Die Sorge um den Arbeitsplatz und die Verunsicherung der Menschen sind groß.

Veränderung notwendig
„Wir leben in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Es wächst das Bewusstsein, dass systemische Veränderungen notwendig sind“, analysiert Novy. In der Krise wächst aber auch die Chance für Veränderung. Diese könnte etwa darin bestehen, die Arbeitszeit zu verkürzen und Männer und Frauen gleichberechtigt am Arbeitsmarkt zu beteiligen. Die Menschen arbeiten weniger, jedoch stehen insgesamt mehr im Erwerbsleben. „Gleichzeitig bräuchten die Löhne und Gehälter nicht zu sinken, wenn rückverteilt wird von Kapitaleinkommen zu Arbeitseinkommen“, erklärt Novy die Idee.

Angenehmer Nebeneffekt wäre, dass sich Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren ließen. Gleichzeitig bekämen die Menschen Zeit und Ressourcen zurück, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Novy betont zudem wie notwendig es sei, Beteiligung zu fördern: „Es gibt hier viel Raum für Kreativität: Kinderbetreuung kann beispielsweise eine Mischung aus öffentlicher Bereitstellung und Privatinitiative sein. Eltern könnten ermutigt werden, sich selbständig zusammenzuschließen und abwechselnd das Mittagessen bereitzustellen.“ Dies kommt Empowerment gleich, also Selbstermächtigung, wie sie aus der Entwicklungszusammenarbeit bekannt ist. Eltern, Nachbarschaften, Bürgerinitiativen übernehmen Verantwortung, organisieren sich autonom. Damit entsteht eine lebendige und eigenverantwortliche Gemeinschaft – unbedingter Bestandteil eines guten Lebens.

Mehr über die Grüne Bildungswerkstatt.



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