Eine Reise mit Folgen

Christine Hirber bei der Grundsteinlegung

Nachhaltigkeit ist der 44-jährigen Tirolerin Christine Hirber auf allen ihren Reisen ein Anliegen. Aus einer Trekkingtour in Nepal entstand sogar ein nachhaltiges Sozialprojekt: “Sancho” bietet medizinische Erst- und Grundversorgung in der Region Solo Khumbu im Nordosten Nepals. 

 

 

Das Projekt Sancho im Nord-Osten Nepals ist aus einer Reise entstanden. Kannst du kurz schildern, wie es dazu kam?

Christine Hirber: “Die ursprüngliche Idee war, ein kleines Kraftwerk im Dorf meiner nepalesischen Freund/innen zu bauen. Nach zahlreichen Recherchen stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht realisierbar gewesen wäre. Bei der Besichtigung vor Ort haben mich Kinder angesprochen und gefragt, was ich hier mache. Ich hab es ihnen erzählt. Ihre Reaktion: ‘Wir brauchen keinen Strom – wir brauchen eine Krankenschwester!’ Nach meiner Rückkehr nach Österreich habe ich diese Geschichte FreundInnen erzählt – und kurzerhand haben wir einen Verein gegründet und begonnen, eine Krankenstation zu bauen.”

Ist es nicht schwierig, ein so umfangreiches Projekt von Österreich aus zu managen?

Christine Hirber: “Das geht nur durch die Unterstützung vor Ort. Alleine als Österreicherin, ohne Nepalesisch zu sprechen, wäre es nicht möglich. Unsere nepalesischen FreundInnen mussten für die Abwicklung mit den Behörden ebenfalls einen Verein (KCA) gründen. Die Mitglieder von KCA arbeiten unentgeltlich. Weiters haben wir für den Bau der Krankenstation und den Betrieb ein Village Commitee gegründet. Dieses besteht aus Männern und Frauen unserer Dörfer (drei Village Distrikte – Kanku, Basa, Deusa – bestehend aus 27 Dörfern). Diese waren für den Bau und sind für den Betrieb verantwortlich und Ansprechpartner in allen Belangen (Wünsche, Beschwerden, Mitarbeiter der Krankenstation, Nachschub an Medikamenten, Renovierung des Haues etc.).”

Welche Ziele verfolgt Sancho und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei?

Christine Hirber: “Ziel ist die medizinische Grund- und Erstversorgung in der Region zu gewährleisten. Nachhaltigkeit spielt in Form von Fortbildung, Information, Schulung und Aufklärung der EinwohnerInnen zum Thema medizinische Vorsorge eine Rolle. Sancho unterstützt auch die Ausbildung einer jungen Einwohnerin zur Krankenschwester.”

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Bezug auf Reisen für dich persönlich?

Christine Hirber: “Ich versuche offen und respektvoll aufzutreten, die lokalen Sitten und Bräuche wertzuschätzen. Sofern möglich, benutze ich öffentliche Verkehrsmittel (wie die Einheimischen) und konsumiere in einheimischen, kleinen Betrieben. Die schönste Art zu Reisen ist für mich ist zu Fuß.”

Was war der bewegendste bzw. beeindruckendste Moment auf deinen bisherigen Reisen?

Christine Hirber: “Ich durfte bei einer Behandlung durch einen Schamanen in Nepal – in unserem Dorf – dabei sein. Dieser hat unsere Idee der Krankenstation auch als gute und wichtige Ergänzung bestätigt. Der Empfang und die Herzlichkeit der EinwohnerInnen in ‘unserer’ Region in Nepal berühren mich.”

Wohin zieht es dich noch?

Christine Hirber: “Nepal immer wieder; Nicaragua, Patagonien,…”

Was sind deine Erfahrungen im Reisen mit Kindern – wie schafft man es, die eigenen Interessen und die Bedürfnisse der Kinder zu vereinbaren?

Christine Hirber: “Ich habe zwar keine eigenen Kinder, dafür aber vier Patenkinder, zwei in Tirol und zwei in Nepal, denen ich den Schulbesuch finanziere. Die Campingurlaube mit meinen Nichten und Neffen und deren Freunden waren unkompliziert, lustig und fein. Meine Bedürfnisse haben sich nicht wirklich von denen der Kinder unterschieden. Die Kinder haben ihre Wünsche vor unserer Reise gesagt, ich meine auch und vielleicht war es deshalb auch so entspannt. Mein Nichten und Neffen hatten Freunde mit und ich hatte auch meine Freunde dabei. Wir wussten, wohin wir fahren, was uns dort erwarten und was nicht möglich sein würde. Aber wie gesagt, es waren Kurzurlaube mit ‘ausgeliehenen’ Kindern.

Interview: Kirsten Commenda

 Wie kann man Sancho unterstützen?

Durch eine Mitgliedschaft (48 Euro pro Jahr) oder durch Spenden.

Alle Infos unter www.sancho-nepal.org

Das Dach der Gesundheitsstation wird gedeckt

Was bisher geschah:

2007: Gründung des Vereins “Sancho” in Schwaz/Tirol, Gründung des Vereins KCA in Nepal

2008: Genehmigung durch das Ministerium, Baubeginn

2009 Grundsteinlegung, Fertigstellung des Hauses im November

2011: Inbetriebnahme der Krankenstation

9.1.2012: Offizielle Eröffung



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