Zucker: Der weiße Bösewicht

Jedes Kind liebt Süßes. Eltern, die ihr Kind lieben, sollten jedoch der Gesundheit ihres Kindes zuliebe nicht nur bei Zucker, sondern generell bei Kohlenhydraten auf wertvolle Lebensmittel achten.

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Wie drastisch sich eine Blutzuckerspitze auswirken kann, lässt sich bei einem Kindergeburtstag, der im Haus stattfindet, gut beobachten. Folgende Situation: Die Kinder spielen friedlich zusammen. Dann gibt es den Geburtstagskuchen: Schokoladetorte oder Muffins mit buntem Zuckerguss. Die Kinder greifen kräftig zu. Danach spielen sie weiter. Nach einer kurzen Weile steigt unvermittelt der Lärmpegel. In dem Raum mit den vielen Kindern wird es plötzlich merklich laut und hektisch. Einige der zuvor noch harmonisch spielenden Kinder laufen jetzt aufgedreht durch den Raum. Hier und da entstehen kleine Zankereien. Die Stimmung wirkt plötzlich geladen, aggressiv aufgeheizt. Und das kommt nicht von ungefähr. 

Denn viel weißer Zucker lässt den Blutzuckerspiegel sehr rasch und sehr hoch steigen. Kinder haben das Verlangen, die vorhandene Energie in Bewegung umzusetzen. Ebenso rasch wie der Blutzuckerspiegel angestiegen ist, sinkt er nach dem Zuckerverzehr wieder ab, rasselt in den Keller. Die Energie lässt nach. Die Kinder verlangen erneut – oft mit großem Nachdruck – nach Süßem.

Blutzucker im Auf und Ab

Warum ist dies so? Der glykämische Index gibt an, wie sich ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Kuchen mit viel weißem Zucker lässt den Blutzuckerspiegel regelrecht in die Höhe schnellen. Man spricht bei Zucker von einem hochglykämischen Lebensmittel. Diese bewirken eine hohe Insulinausschüttung im Körper, um die Glucose zu den Zellen zu transportieren. Weil hohe Mengen an Insulin im Blut arbeiten, sinkt der Blutzuckerspiegel rasch wieder ab – und zwar unter sein Ausgangsniveau. Diese Unterzuckerung macht sich – nicht nur bei Kindern – in der Folge mit Müdigkeit, Konzentrationsschwäche – und erneutem Heißhunger auf Süßes bemerkbar.   

Zucker macht Kinder aufgedreht

„Insbesondere nach dem Verzehr von Süßigkeiten (Zucker) wirken viele Kinder aufgedreht; manche werden auch aggressiv und streitsüchtig“, heißt es dazu im Buch „Zucker“ (siehe Buchtipp). Eine Studie brachte zum Vorschein, dass Kinder, die häufig und viel Softdrinks trinken, oft hyperaktiv sind oder Konzentrationsprobleme haben. Da Kinder ein sehr empfindliches Nervensystem haben, reagieren sie oft sensibel auf bestimmte Nahrungsmittel. Außerdem fördert Zucker die Bildung von Darmpilzen, die wiederum einen negativen Einfluss auf Verhalten und Entwicklung haben können.

Zucker kann dick und krank machen

Jedes dritte Kind in den 33 OECD-Ländern ist heute übergewichtig, heißt es im Buch „Zucker“. Daran haben zuckerhaltige Lebensmittel aus der Industrie einen wesentlichen Anteil. Zucker erhöht das Risiko für Fettleibigkeit und später an Diabetes Typ 2 zu erkranken, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Leberbeschwerden werden wahrscheinlicher.

Dass Zucker schlecht für die Zähne ist, weiß ohnehin jedes Kind. Neben der  Wahrscheinlichkeit von Karies steigt auch jene für Entzündungen im Mund wie einer Erkrankung des Zahnfleisches.

Einiges Wissenswerte zu Zucker:

  • Jede Art von Kohlenhydraten ist letztlich nichts anderes als Zucker, denn sie werden im Zuge des Stoffwechsels in die kleinsten Einheiten aufgespalten, nämlich Glucose, besser bekannt als Traubenzucker.
  •  „Leere Kohlenhydrate“: Weißer Zucker liefert ausschließlich Energie, jedoch keinerlei weitere Nährstoffe (Mineralstoffe oder Vitamine) wie etwa Obst und Gemüse.
  • Zucker ist in dem Sinne nicht lebensnotwendig. Zwar sollte unsere Ernährung aus etwa 50 Prozent Kohlenhydraten bestehen, vorwiegend aber aus wertvollen Kohlenhydraten wie Obst und Gemüse.
  • Starke Blutzuckerschwankungen sollten vermieden werden, da sie das Risiko für Typ-2-Diabetes steigen lassen. Dabei ist das körpereigene Insulin überfordert, die Glukose in die Zellen einzuschleusen und so den Blutzuckerspiegel zu reduzieren.

Diese Lebensmittel lassen den Blutzuckerspiegel stark ansteigen: Zucker, Traubenzucker, Honig, Weizenmehl, Maismehl, Hirse, Eis, weiße Teigwaren, Reis, Pommes, Kartoffelbrei, Chips, Bananen, Datteln, Rosinen, getrocknete Feigen, Limonaden. 

Diese Lebensmittel lassen den Blutzuckerspiegel mittelmäßig ansteigen: Dinkelmehl, Gerste, Hafer, Buchweizen, Getreideflocken, Vollkorn- und Dinkelteigwaren, Basmatireis, Dinkelreis, Kartoffeln natur, Mais, Ananas, Trauben, Feigen, Mandarinen, Apfelsaft, Orangensaft.

Diese Lebensmittel haben geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel: Agaven-, Apfel- und Birnendicksaft, Fruchtzucker, Nüsse, Samen und Kerne aller Art (Kürbiskerne, Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Leinsamen etc.), Milchprodukte natur, Tofu, Sojagranulat, frisches Obst und Gemüse (Apfel, Birne, Pfirsich, Zwetschke, Grapefruit, Kiwi etc.), frische Gemüsesäfte. 

Buchtipp: Dr. med. Kurt Mosetter, Thorsten Probost, Dr. Wolfgang A. Simon, Anna Cavelius: Zucker. Der heimliche Killer. Wie wir krank und süchtig werden. Wie wir uns schützen, ohne auf Süßes zu verzichten. GU Verlag. München, 2014.

 

Maria Zamut



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