Wie öko ist Glas wirklich?

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Milch in der Glasflasche oder doch im Tetrapack? Was ist ökologischer, hinterlässt einen kleineren ökologischen Fußabdruck? Grünschnabel-Redakteurin Manuela Hoflehner hat sich umgehört.  In meiner Speisekammer türmt sich Glas. Reihenweise stehen leere Gefäße herum. Früher war Marmelade in ihnen, Oliven, Honig, Aufstriche, Apfelmus. Jetzt harren sie auf Verwendung. Wegwerfen will ich sie (noch) nicht. Zu sehr ist mir bewusst, was selbst das Recycling an Energie verbraucht. „Vielleicht kann ich sie noch einmal brauchen“, denke ich mir. Als Aufbewahrung für Lebensmittel, zum Abfüllen, wenn ich selbst Marmelade mache, oder als Verpackungsbehälter für Geschenke. Meine private Glasdeponie hat einen einfachen Ursprung: Seit Jahren weiß ich, dass Glas ein ökologischeres Verpackungsmittel ist – besser als Aludosen, Tetrapack und Plastikbecher. Es gibt beim Glas keinen Stoffaustausch zwischen dem Lebensmittel und dem Verpackungsstoff, ist deshalb unbedenklich in Bezug auf Weichmacher, und es ist geschmacksneutral. Deshalb griff ich stets zum Glas. Mittlerweile bin ich nicht mehr so sicher. Denn die Krux ist: Das alles ist Einwegglas. Untersuchungen haben gezeigt, dass Einwegglas gar nicht so ökologisch ist wie gedacht. Neuerdings gibt es auch wieder die Milch im Supermarkt in der Glasflasche zu kaufen. Die Berghof Bergbauern Milch von Schärdinger, die Bio-Vollmilch von Ja! natürlich, die Bergbauern Bio-Vollmilch von Spar Natur*pur, die Bergbauernmilch von Tirol Milch und die Bergbauern Bio-Almmilch von Zurück zum Ursprung. Es handelt sich um eine „länger frisch“ Milch. Auch Joghurtprodukte bieten einige der Marken neu im Glas an. Doch auch hier wieder: Einwegglas. Schlechte Ökobilanz bei Einweg Einwegglas schneidet von allen Verpackungen am Schlechtesten ab, was den Energie- und Rohstoffverbrauch angeht. Bier in Einwegglasflaschen verursacht fünfmal mehr Treibhausgasemissionen als Mehrweg-Bier. Denn eine Glas-Mehrwegflasche wird bis zu 40 Mal wieder befüllt. Sogar Tetrapack ist laut Studien ökologischer als Einwegglas – wobei es hier für Österreich wenige Vergleichswerte gibt. In Deutschland rangiert Tetrapack ökologisch im oberen Mittelfeld, allerdings nur, wenn es recycelt wird. Trotzdem ist die Milch im Tetrapack noch um Längen besser als im Einweg-Glas. Ist es Greenwashing, wenn die Firmen nun auf Milch im Einwegglas setzen? Für die Umweltberatung sind die Argumente, warum Einwegglas verwendet wird, auf jeden Fall nicht stichhaltig. Was für mich rein aus ökologischen Gründen heißt, ich nehme weiterhin Tetrapack. Ohne schlechtes Gewissen. Mehr Kopfzerbrechen bereiten mir die Gläser für Konserven. Hin und wieder kaufe ich Oliven im Glas. Regelmäßig Mandelmus. Manchmal einen Aufstrich. Jedes Mal, wenn ich im Supermarkt stehe, stellt sich mir dann dieselbe Frage: Soll ich das Lebensmittel im Glas wirklich kaufen? Die Alternative ist oft nur, darauf zu verzichten. Oliven gäbe es auch in Plastik eingeschweißt – oder ich könnte mir einen Supermarkt suchen, in dem sie offen an der Frischtheke angeboten werden. Letztere Option ist wohl die „sicherste“. Denn egal ob in Plastik geschweißt oder in Schraubgläsern: Mit Weichmachern muss ich in beiden Fällen rechnen. Bei Gläsern lösen sich diese aus dem Deckel, besonders bei fett-, salz- und säurehaltigen Lebensmitteln. Mandelmus könnte ich vielleicht selbst machen. Aufstriche stelle ich tatsächlich meist selbst her – und transportierte sie dann in einem der zig Gläser aus meiner Speisekammer. Es gibt also – mit Abstrichen - Alternativen. Zeitintensive Alternativen. Das heißt entweder ich verzichte auf das Lebensmittel oder ich betreibe einen deutlichen Mehraufwand. Mein Vorsatz: Weniger Einwegglas. Ich werde mich also an die Mandelmus-Herstellung machen. Auf Oliven verzichten. Und in meinem Umfeld Bewusstseinsbildung betreiben, dass die Milch in der Glasflasche zumindest hinterfragenswert ist. Greenpeace: Getränkeverpackungen auf dem Prüfstand Die Umweltberatung: Milch im Glas - der Faktencheck


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