Das bio, faire, regionale NETs wird größer

Ein Besuch am Verkaufstag im NETs.werk Steyr, dem biologisch, regionalen, fairen Netzwerk für Produzenten und Konsumenten.  

Biegt man in die Neubaustraße 10 A ein, wo das NETs.werk Steyr mitten in der Stadt beheimatet ist, fühlt man sich augenblicklich in eine längst vergangene Welt versetzt: Ein großer Hof begrüßt einen, mit Nebengebäuden, Wiesen und Bäumen. In einem der Gebäude ist die NETs-Verkaufsstelle untergebracht. Um zum Eingang zu gelangen, muss man an der Schenkecke vorbei, wo Kleider und Spielsachen auf einen neuen Besitzer warten.

Die Verkaufsstelle, die Gerhard Zwingler betreibt, wirkt ein wenig wie eine Greißlerei aus längst vergangenen Zeiten. Mit einem entscheidenden Unterschied: Das Geschäft dominieren nicht lange Regalreihen mit sich stapelnden Lebensmitteln. Stattdessen stehen in den Regalen grüne Kisten, eine für jeden Kunden. Darin finden sich die Lebensmittel, die einige Tage zuvor über den NETs.Online-Shop geordert wurden. Außen an der Kiste befestigt ist fein säuberlich die Liste der bestellten Waren samt Preisen und Brutto-Endbetrag.

27 NETs.werk Verkaufsstellen

Freitags herrscht reges Treiben, wenn die Kunden ihre Bestellungen im NETs.werk in Steyr abholen. Genauso übrigens wie in den restlichen 24 Verkaufsstellen, die es mittlerweile in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gibt. Gerhard Zwingler und seine Frau Ingrid haben gemeinsam mit einer weiteren Familie das NETs.werk 2005 gegründet.

„Demnächst werden es 27 NETs-Verkaufsstellen sein“, freut sich Gerhard Zwingler, der in einer Person Vereinsobmann und Betreiber der Verkaufsstelle Steyr ist. „Es herrscht reges Interesse an unserem Modell und auch am Online-Bestellsystem, das wir gegen Entgelt vermieten.“

An den Kapazitätsgrenzen

„Das Gelände hier in Steyr ist derzeit Umschlagplatz für Waren für acht Regionalstellen. Wir stoßen bezüglich Logistik bereits an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagt Zwingler. „Auch wegen eines Bauprojekts am Gelände hier suchen wir etwas Größeres. Am besten wäre es, wenn es in allernächster Nähe wäre.“ Ihm schwebt auch mehr Platz vor für Frischware und unverderbliche Ware im freien Verkauf. Im Schnitt bestellen im NETs Steyr jede Woche 70 Kunden Produkte im Gegenwert von 40 Euro. Darunter frisches Obst und Gemüse, Brot, Fleisch, Getreideprodukte etc.

„Danke, Sonja, du bist eine Gönnerin.“ Gerhard steht mit bunter Wollhaube hinter dem Verkaufstresen, addiert Preise und bedient Kunden. Sonja hat ihm ein Trinkgeld gegeben. „Für meine Extrawürste beim Bestellen“, meint die ältere Dame. Sie konnte nicht online bestellen, weil sie gerade Augenprobleme hat, deshalb hat sie ihre Bestellung Gerhard telefonisch durchgegeben. Hier ist sie wieder, die Greißler-Atmosphäre.

„Ich komme hierher, weil ich den Gedanken der Nachhaltigkeit unterstützen möchte“, erzählt Sonja im Grünschnabel-Interview. „Ich bin schon ewig für bio, ich habe fünf Kinder – und alle sind von Bio infiziert. Ich würde das, was ich brauche, auch am Bauernmarkt oder bei den Hoflieferanten kriegen, aber hier ist es auch günstiger“, erzählt Sonja bevor sie mit einer schweren Einkaufstasche nach Hause geht. 

Kein Schwund

„Bei uns wird nichts weggeschmissen, es verdirbt nichts oder läuft ab, wir müssen daher keinerlei Schwund einrechnen“, sagt Gerhard Zwingler, gelernter Volkswirt, und erklärt, wie die Preise zustande kommen. „Wir sagen zu den Bauern: Bitte sag‘ uns, was für dich ein fairer Preis ist für dein Produkt, den die Konsumenten zahlen müssen, damit du langfristig gut wirtschaften kannst. Was immer die Bauern sagen, ist für uns der Maßstab.“

Auf diese Preise der Produzenten schlägt NETs 40 Prozent auf und dann kommt noch die Umsatzsteuer dazu. Dennoch sind die NETs-Preise häufig unter jenen in Supermärkten, dies gilt vor allem bei Obst und Gemüse.

30 Prozent mehr Erlös für Bauern

20 Bauern beliefern das NETs.werk Steyr, diese bekommen hier um bis zu 30 Prozent mehr als im herkömmlichen Handel. Für NETs steht neben dem ökologischen Aspekt, Fairness, also der soziale Aspekt stark im Vordergrund. Deshalb gibt es in regelmäßigen Abständen Treffen mit den Produzenten. „Es herrscht ein gutes Miteinander und viel Wohlwollen“, erzählt Zwingler vom letzten Treffen. „Einige Bauern erzählten mir, sie hätten die Zusammenarbeit mit Lebensmittelgroßhändlern eingestellt, weil ihnen die Art der Behandlung stinkt oder wie verhandelt wird“.

Viele haben es aber auch nicht mehr notwendig, weil sie ihre Ware zu 100 Prozent über NETs vertreiben. Einige konnten bereits Vermarktungsschienen reduzieren oder ganz einstellen. Das ist genau das, wo Gerhard Zwingler hinwill: „Bauern und Konsumenten verlassen sich auf uns.“ 

 

Vorbestellen und abholen

Im NETs einkaufen bedeutet, bis Montagabend online vorbestellen und am Freitag die bestellte Ware in einer der Regionalstellen abzuholen. Angeboten werden ausschließlich Waren, die nach ökologischen oder biologischen, fairen Kriterien hergestellt werden. 

          

NETs.werk Verein

Neubaustraße 10A

4400 Steyr

Tel. 07252/45 2 12

verein@netswerk.at

Tel.: 07252 – 45 212

netswerk.at

Mehr zum NETswerk auf gruenschnabel.at: NETs.werk für zukunftsfähigen Konsum in der Region

 

Maria Zamut



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