„Bei uns hat sogar die Milch einen Namen!“

Familie Holzmann bewirtschaftet einen Demeter-Archehof in Schönau im Mühlkreis. Selbstversorgung, ein Leben im Einklang mit der Natur und ein harmonisches Zusammenleben der Generationen prägen den Familienalltag.

Familie Holzmann

Ich denke, das Besondere an unserer Familie ist, dass wir uns alle gut verstehen, zusammenhelfen und an einem Strang ziehen. Wir sind alle sehr naturverbunden und es ist uns ein Anliegen, nur das zu tun, was der Natur gut tut. Auch unsere Kinder wachsen sehr naturverbunden auf, helfen mit, übernehmen Verantwortung und lernen, was das Wesentliche, was die Grundlage des Lebens ist. Zum Beispiel hat jedes Kind ein eigenes Tier. Hanna ist jetzt sechs und hat zwei Hasen, die sie großteils selbst versorgt.

 

Hintergrund: 
Nina Holzmann, 36, wohnt mit ihrem Mann Wolfang und ihren drei Töchtern am Demeter-Archehof Gumberger in Schönau im Mühlkreis. Lena (12), Julia (9) und Hanna (6) leben gerne am Bauernhof, helfen auch manchmal in der Landwirtschaft mit und lernen so, Verantwortung zu übernehmen. Auch Ninas Eltern wohnen am Hof und unterstützen die Demeterbäuerin tatkräftig. Jeden Freitag Nachmittag ist der mit wunderschönem Naturholz ausgestattete Hofladen geöffnet. Hier verkauft Nina nicht nur Dinkelprodukte, Speck und Fleisch aus der eigenen Landwirtschaft, sondern auch ihre selbstgemalten „Energiebilder“.

 

Unser Lebensmodell: Selbstversorgung und Dankbarkeit

Wir leben zu ca. 80% von unseren eigenen Produkten, rein theoretisch könnten wir uns auch völlig selbst versorgen. Es ist ein gutes Gefühl, aus dem Dinkel, der auf unseren eigenen Feldern wächst, selbst Brot zu backen. Die Kinder formen sich oft ihre eigenen Weckerl und nehmen sie dann als Jause in die Schule mit. Beim Mittagessen danken wir der Natur und dem Herrgott für das gute Essen. Der direkte Bezug ist immer da. Wir essen nur Fleisch von unseren eigenen Tieren. Da unsere Tiere alle einen Namen haben, wissen wir ganz genau, von wem das Fleisch stammt, das wir am Mittagstisch haben. Wir bitten das Tier um sein Fleisch, schlachten selbst am Hof und danken seiner Seele dafür. Ja, bei uns hat sogar die Milch einen Namen. Ich melke immer nur eine Kuh, natürlich händisch. Unsere Kinder benennen die Milch immer mit dem Namen dieser Kuh, und so gibt es bei uns dann eine „Gemsen-Milch“ oder eine „Lalli-Milch“.

Mit unserem Hofladen versorgen wir auch die Menschen von Schönau und Umgebung mit biologischen Lebensmitteln. So macht Regionalität wirklich Sinn, und darauf sind wir stolz.

Ein Dach, viele Generationen

Bis vor wenigen Jahren hat meine Oma noch gelebt. Die letzte Zeit wurde sie von uns gepflegt – so erlebten unsere Kinder, dass Menschen auch alt und schwach werden, dass sie auf Hilfe angewiesen sind und dass der Tod zum Leben gehört. Dadurch, dass verschiedene Generationen am Hof leben, lernen die Kinder die Zyklen des Lebens kennen. Außerdem ist es oft ganz praktisch, wenn man die Kinder ab und zu bei ihren Großeltern lassen kann, die ja sowieso am Hof leben – die Großeltern sind hier nicht nur zum Verhätscheln da, sondern erziehen mit.

Meine Eltern haben den Hof bereits 1979 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Als wir den Hof übernommen haben, war schon wertvolle Vorarbeit geleistet, darum machten wir 2008 den nächsten Schritt zur Umstellung auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Mein Vater und meine Mutter schätzen unseren Weg. Jetzt gehen wir „Jungen“ voran, dennoch treffen wir viele Entscheidungen gemeinsam und fragen die Eltern auch immer wieder um Rat. Wir reden sehr viel miteinander. Das hilft, um sich besser zu kennen und zu verstehen.

Glück und Arbeit

Glück bedeutet für mich, harmonisch mit meiner Familie und im Einklang mit der Natur zu leben. Die viele Arbeit gehört dazu – wenn man Ziele hat, die man gemeinsam verfolgt, und wenn man, so wie wir, zusammenhilft, dann machen die Tätigkeiten Freude. Meine Mutter und ich arbeiten viel gemeinsam – ob am Feld, am Gemüseacker oder im Haus – und haben dabei Zeit zum Plaudern. Es erfüllt mich mit Freude, nach getaner Arbeit dankbar auf das Geschaffte blicken zu können.

Urlaub in der Heimat

Der Gumberger-Hof ist meine Heimat. Als die Kinder kleiner waren, haben wir gar keinen Urlaub gemacht, in den letzten Jahren sind wir einmal pro Jahr für drei bis fünf Tage weggefahren, immer innerhalb von Österreich. Da es mit drei Kindern oft doch etwas anstrengend ist, habe ich mir jedes Mal beim Nachhausekommen gedacht: „Zuhause ist es einfach am schönsten – jetzt habe ich wieder ein Jahr Urlaub.“ Ich persönlich brauche das Wegfahren nicht unbedingt, mein Mann reist jedoch gerne. Aber er ist ohnehin beruflich viel unterwegs. Fein ist es natürlich, wenn wir zu zweit ein oder zwei Tage Kurzurlaub machen können, das genieße ich schon sehr.

Auszeit auf vier Hufen

In unserer Freizeit gehen wir gerne mit unseren Pferden eine Runde reiten. Manchmal sind mein Mann und ich abends unterwegs und kehren da und dort ein. Manche Freunde haben extra für uns Ringe an der Hausmauer angebracht, an denen wir unsere Pferde anhängen können. Manchmal kommen wir von einer solchen Tour erst im Morgengrauen nach Hause.

Am Hof kann ich mir meine Arbeit gut einteilen. Da nehme ich mir auch immer wieder mal die Zeit, mich in die Sonne zu legen und ein Buch zu lesen. In der warmen Jahreszeit sitzen wir auch gerne am Lagerfeuer oder beim Grillen. Hier geht es dann um gemütliches Plaudern und Beisammensein.

Einen Tag glücklich sein

Wenn ich einen Tag das Weltgeschehen lenken könnte, würde ich alle Menschen auf der Welt spüren lassen, wie es ist, glücklich und zufrieden zu sein. Natürlich bin ich selbst auch nicht immer gut drauf. Aber grundsätzlich kann ich sagen, dass ich glücklich und sehr zufrieden bin mit dem, was ist.



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