“In der Wildnis spürt man das Leben!“

Wildnis-Guide Bernd Pfleger, der am 26. Oktober für Grünschnabel durch den Auwald am Weikerlsee in Linz-Pichling führt, im Interview über das Empfinden in der Wildnis, wie er Wildnis-Guide wurde und die Wirkung der Natur auf Kinder. „Die Wildnis ist oft kalt und es kann anstrengend sein, man ist hungrig und allein – da erlebt man einfache Dinge, wie wenn plötzlich die Sonne herauskommt und einen wärmt, ganz intensiv. Das geht nur, wenn man auch eine Zeitlang draußen lebt, nur durchspazieren ist zu wenig!“, meint Pfleger. In der Wildnis spüre man den Tag-Nacht-Rhythmus, das Wetter, die Tiere um einen herum,… und nehme das ganz intensiv wahr, spüre das Leben. Warum ist die Wildnis so besonders wichtig für den Wahl-Ennser? „Ich war in der Kindheit viel mit meinen Eltern zelten, das hat mich immer begeistert“, erzählt Pfleger. Dadurch hatte er später auch das Verlangen, die Natur zu schützen. So ergab sich auch sein Studium „Umweltsicherung“. Als er schließlich an einem Wildnis-Trail in Südafrika teilnahm, wurde ihm klar: Das mach‘ ich auch! Denn die Wildnis ist sein Zuhause. „Ja“, sagt Pfleger, „ich fühle mich einfach wohl in der Wildnis. Es tut mir gut abseits der Zivilisation, da geht’s mir gut.“ Dabei sei es gar nicht wichtig, ob man im Wald nebenan, im Safari-Gebiet oder am Berggipfel ist – einfach nur weg von der übertechnisierten Welt. Gerne macht der Wildnis Guide auch immer wieder Touren mit Kindern wie die Stadtdschungel-Führung mit dem Grünschnabel. Pfleger: „Es macht einen Unterschied, ob ich drei Stunden oder über Nacht mit den Kids draußen bin – je länger, desto intensiver. Ich glaube schon, dass man beobachten kann, dass die Kinder ruhiger werden. Es dauert eine Zeit, bis sie sich auf die Natur einlassen können.“ Je länger sie aber draußen seien, desto mehr würden sie sich mit der Natur beschäftigen und anfangen mit dem zu spielen, was da ist. „Da braucht’s dann nicht mehr viel an Stimulus.“ Da wird mit Stecken, Erde und Steinen gespielt – das gehe nicht von einer Minute auf die andere, aber am Ende gefalle es jedem Kind draußen. Wenn der erste einen Wurm esse, dann sei es überhaupt gelaufen, meint Pfleger schmunzelnd: „Das ist das absolute Highlight, das den Eltern immer als erstes erzählt wird. Wenn man überleben muss, isst man halt vieles. Der erste Wurm ist eine echte Überwindung, beim zweiten ist es nicht mehr so schlimm!“ Ob das auch eines der Highlights bei der von Grünschnabel organisierten Führung durch den Auwald am Weikerlsee wird? „Wir werden einfach mal in den Auwald marschieren und schauen, was so los ist – was die Natur zu bieten hat“, sagt Pfleger. Was sagen die Vögel? Schlagen sie Alarm wegen eines Habichts? Welche Pflanzen finden wir? Was kann man davon essen? Von welchen Geräuschen sind wir umgeben und was heißt das, was wir hören? Es helfe sehr, in der Natur mehr wahrzunehmen, wenn man die Sprache der Vögel verstehe. Denn dann könne man vielleicht etwas entdecken, auf das sie uns mit ihrem Gesang hinweisen – etwa einen Raubvogel. Auch Fußabdrücke werden analysiert und versucht, die Geschichte dahinter herauszufinden. Und Fußspuren wird es eine Menge zu entdecken geben, tummeln sich doch Wildschweine, Rehe, Hirsche, Marder, Eichhörnchen, Reiher, Füchse und allerlei anderes Getier in den Donauauen. Natürlich war der vielgereiste Wildnis Guide schon in so manch brenzliger Situation, in denen, hätte er sich falsch verhalten, durchaus gefährlich werden hätte können. „Ich bin aber nie verletzt worden“, meint Pfleger. „Ich muss einfach wissen, was ich machen muss, wenn plötzlich ein Nashorn vor mir steht. Geh‘ zurück, gib dem Tier Raum! Ja, da gab’s schon spannende Situationen mit so manchem Elefanten, Hippo und Nashorn…“ • Veranstaltungstipp: Stadtdschungel-Führung am Weikerlsee mit Wildnis Guide Bernd Pfleger am Freitag, 26. Oktober, 14.30-17 Uhr, Anmeldung: maria.zamut@gruenschnabel.at, Tel 0676/949 20 71.


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