Im Wald in sich hineinspüren

Cover_Buchberger_Waldbaden2 0_frontneu„Es geht ums Hineinspüren!“, so beschreibt Werner Buchberger das Waldbaden. Er ist seit 35 Jahren Förster im Innviertel und somit sein halbes Leben im Wald unterwegs. Buchberger hat sich mit vielen alternativen Heilmethoden befasst. Und er stellt immer wieder fest: Der meditative und bewusste Aufenthalt im Wald kann Menschen helfen, die unter Stress leiden. 

„Durch persönliche Schicksalsschläge und schwere Krankheiten in meinem Umfeld habe ich mehr und mehr erkannt, wie wichtig der Wald, die Bäume und ihre Heilkräfte für uns Menschen sind“. Daraufhin hat sich der gebürtige Urfahraner viel mit alternativen Heilmethoden befasst. „Heute kann ich mit meinem Wissen anderen helfen, sie dabei begleiten und unterstützen. Besonders oft arbeite ich mit Menschen mit Burnout.“ Gemeinsam mit seiner Frau Andrea, einer Pädagogin, leitet er Seminare wie etwa „Waldbaden“.

Spüren, wo’s zwickt
“Über Bäume kann man vieles, das einen körperlich und seelisch belastet oder gar krank macht, ausleiten”, ist der 58-Jährige überzeugt. Wie funktioniert das? „Die erste Ebene des Waldbadens spüren fast alle Menschen“, erklärt Buchberger. „Es ist das positive Gefühl, die Entspannung an diesem Ort der Ruhe. Die zweite Ebene des Waldbadens ist eine bewusste. Ich verbinde mich mit dem Wald, den Bäumen, der Erde. Es ist ein bewusstes Spüren – des eigenen Körpers, seiner Belastungen und Blockaden in Verbindung mit dem Wald und den Bäumen.“

Hierzu suchen sich die SeminarteilnehmerInnen einen Ort im Wald, an dem sie sich wohlfühlen. Ist man dort „angekommen“, spürt sich, nimmt sich wahr, kann man die Verbindung zu einem bestimmten Baum suchen und stellt sich die Frage: „Was möchte ich in dieser Verbindung loslassen oder über diesen Baum ausleiten?“ Nicht jeder Baum habe dieselben Heilkräfte. Ahorn steht zum Beispiel für Lebensfreude, Fichte sei ein Lichtbringer und die Lärche heilsam für die Seele.

Nun fragt man sich, warum Waldbaden gerade jetzt immer mehr „in Mode“ kommmt? Buchberger: „Wir sind in unserem Radl drin, nehmen uns nicht mehr wahr. Wenn wir durch den Wald joggen, dann mit Kopfhörer. Dann macht der Wald aber nicht wirklich was für uns. Zivilisationskrankheiten nehmen immer mehr zu. Die Schulmedizin ist natürlich wichtig, aber sie lässt uns auch alleine mit der Frage: Warum ist es mit mir überhaupt so weit gekommen? Was muss ich ändern?“

Wieso hilft uns da gerade der Wald? „Es ist ein Ort der Ruhe, wo ich über bewusste Atmung ins Spüren komme. Ich bin wieder frei im Denken und Fühlen. Dann erst kann ich erkennen: Was brauche ich überhaupt? Es geht ums Hineinspüren!“

Zum Beispiel hätten Frauen oft Probleme im Hals. Buchberger: „Das sind Dinge, die sie nie ausgesprochen, sondern immer hinuntergeschluckt haben. Diese kann ich über die Atmung in Verbindung mit dem Baum ausleiten. Ich übergebe das dem Baum und befreie mich davon. Diese Übung kann man lernen. Je öfter ich sie mache, desto selbstverständlicher wird sie.“

Selten arbeitet Buchberger mit Kindern. Doch eine Gruppe von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist ihm in Erinnerung geblieben: „Diese Kinder sind sehr feinfühlend. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich einen Baum als Freund suchen und diesem ihre Wut, ihre Ängste abgeben, sie rauslassen. Es war schön zu beobachten, dass oft jene mit den größten Defiziten auch die größte Verbindung zum Baum aufgebaut hatten und sich sehr wohlgefühlt haben.“

Nun sieht Buchberger Bäume als Lebewesen, die man mit Respekt behandeln soll. Muss man sich da nicht fragen, ob wir dem Baum mit dem Negativen, das wir an ihn abgeben, schaden könnten? „Dem Baum ist das wurscht“, so Buchberger, „der gibt das über sein Wurzelsystem ab. Da bleibt nix Negatives zurück.“ Sehr wohl machen die beiden Buchbergers aber auch Seminare, wo sie dem Wald positive und heilsame Gedanken aussenden.

Und eines ist klar: Fürs Hineinspüren und einen heilsamen Weg zum natürlichen Leben muss man sich schon die Zeit nehmen – immer und immer wieder. Eine (Aus)Zeit, die uns der Wald gerne schenkt.

Tipp:
Seminar Waldbaden im Naturschutzgebiet Pesenbachtal
26. Mai bzw. 6. Oktober 2018, jeweils 9-16 Uhr
Anmeldung: 0664/82 99 303

Literatur: 
Buchberger, W.: Waldbaden. Kraft und Energie durch Bäume. Verlag freya.
Sein neues Buch „Waldbaden 2.0 Der Weg zum natürlichen Leben“ erscheint im Herbst 2018.

Daniela Christl



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