Tschick: Jugend- und Elternbuch für die Ferien

„Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen. Aber besser, man fängt gleich damit an“, schreibt die FAZ.

Bild: Ausschnitt verrostetes Auto

Mit einem gestohlenen verrosteten Lada geht es in die Walachei. Bild: T.M.Müller.pixelio.de

Um es gleich vorwegzunehmen: Mit dem österreichischen Kürzel für Zigarette hat der Romantitel „tschick“ rein gar nichts zu tun. Tschick ist eigentlich Andrej Tschichatschow, der als russisches Einwandererkind ein bisschen der Loser in der Schule ist. Tschick ist 14, hochbegabt, bettelarm und asozial. Die anderen finden ihn komisch und würden niemals ihre Zeit mit ihm verschwenden. Auch Ich-Erzähler Maik nicht, der ebenfalls Außenseiter ist und „Psycho“ genannt wird. Er ist in Tatjana verliebt, die ihn aber leider nicht beachtet. Mit seiner alkoholkranken Mutter und seinem geschäftlich gescheiterten Vater lebt Maik in einer Villa in Berlin. Die Sommerferien beginnen. Beide Eltern kümmern sich nicht weiter um ihren Sohn.

Sommerferien: heiß und öde

Dem 14-Jährigen ist heiß und sterbenslangweilig – bis eines Tages sein Schulkollege Tschick mit einem alten, verrosteten, gestohlenen Auto vor seiner Haustür steht. Nach ein paar Spritztouren kommen sich die beiden näher.

Sie beschließen, in die „Walachei“ zu fahren, weil Tschicks Großvater dorther kommt. Ohne genauen Plan und ohne Karten machen sie sich auf den Weg und erleben jede Menge komische Geschichten. Sie begegnen höchst merkwürdigen, oft aber herzensguten und sehr hilfsbereiten Menschen. Immer wieder ändert sich die Fahrtrichtung und die Jungs wissen kaum, wo sie am nächsten Tag landen werden. Auf der skurrilen Reise wird aus dem anfänglichen Desinteresse so etwas wie Blutsbrüderschaft.

Aus Feinden werden Blutsbrüder

Bild: Schatten eines kämpfenden Jugendlichen

Pubertät ist kompliziert. Bild: c.falk/pixelio.de

Beide Burschen wachsen durch die Herausforderungen über ihre Schüchternheit und Komplexe hinaus. Die Sprache der Pubertierenden ist rau, trotzdem bleibt der Autor authentisch.

„In ‘Tschick’ läuft bei all dem Witz, all den komischen Dialogen und herrlichen Szenen stets eine zweite Tonspur mit. Darauf erklingen Lieder von Einsamkeit, Außenseitertum, Freundschaft, erster Liebe, und da zeigt sich Herrndorfs Einfühlungsvermögen…“, schreibt der Tagesspiegel.

„Tschick“ ist ein Roadmovie der besonderen Art, denn als Jugendbuch vermarktet, fand es in die Bestsellerlisten und bei erwachsenen Lesern soviel Zuspruch, dass es als Familienbuch bestens geeignet ist.

 

„tschick“, Roman von Wolfgang Herrndorf, Rowohlt Verlag, 256 Seiten, 16,95 Euro

 

 

Isabel Höglinger



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