Gärtnern ohne eigenen Garten

In Zeiten von Lebensmittelskandalen und Preissteigerungen bei Lebensmitteln wird es für viele Menschen immer attraktiver, im eigenen Garten Obst und Gemüse anzubauen. Doch auch wer nur einen Balkon zur Verfügung hat und sich nur wenig mit der Gemüsezucht beschäftigt hat, kann vieles anpflanzen und schnell Erfolge ernten.

Gemüsevielfalt

Bild: Dieter Schütz/pixelio.de

Die Tage werden länger und das erste Grün beginnt in den heimischen Gärten zu sprießen. Hobbygärtner begrüßen die warmer werdenden Sonnenstrahlen: Für sie bedeutet es, dass es an der Zeit ist, alles für die Ernte des Sommers vorzubereiten. Doch gerade, wer im städtischen Raum lebt, kann oft vom Glück reden, wenn er/sie auch nur einen Balkon zur Verfügung hat – von einem eigenen Garten ganz zu schweigen. Aber auch wer keinen eigenen Garten besitzt, kann einig an Obst und Gemüse anbauen und ernten. Kräuter lassen sich problemlos in der Wohnung züchten und bereits ein kleiner Balkon kann reichen, um sich mit Tomaten, Gurken, Radieschen oder Beeren zu versorgen.

 

Kräuter – Die Würze in jeder Küche

Kräuter geben nicht nur vielen Gerichten eine angenehme Würze, ihnen wird auch eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Noch dazu lassen sie sich vielfältig einsetzen: als Kochzutat, für Tee oder Dank ihres guten Duftes als natürlicher Raumerfrischer.

Für den Anfang eignen sich einige Töpfe mit Schnittlauch und Petersilie, um ins Kräuterglück hineinzuschnuppern. Je nachdem, mit welchen Zutaten man gerne kocht, kann man das später ausweiten: Estragon, Salbei, Pfefferminze, Koriander, Thymian, Oregano oder Zitronenmelisse, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Samentüten sind schon in den meisten Supermärkten zu kaufen. Auf den Tüten stehen auch immer genau Anweisungen, welchen Standort die Pflanzen bevorzugen.

Samentüten sind die kostengünstigste Variante, mit dem Anbau zu beginnen. In Gärtnereien und in manchen Supermärkten kannst du jedoch auch schon vorgezogene Pflanzen kaufen. Gerade bei Pflanzen aus Supermärkten ist die Lebensdauer jedoch oft kürzer. Um das Beste aus vorgezogenen Pflanzen herauszuholen, topfe die Kräuter nach dem Kauf in ein größeres Gefäß um. Oft ist der Topf, in dem man die Kräuter kauft, zu klein.

 

Einige Tipps für gelungene Kräuterhexen und –hexer:

  • Bild: Sigrid Rossmann/pixelio.de

    Die meisten Kräuter mögen einen nährstoffreichen Boden. Die herkömmliche Pflanzenerde passt dafür gut. Nur Thymian bevorzugt einen nährstoffarmen Boden. Hier kannst du Sand oder feinen Kies in die Erde miteinarbeiten.
  • Kräuter brauchen viel Wasser, mögen aber keine Staunässe. Die Töpfe sollten daher unten ein Loch haben, damit das überschüssige Wasser abrinnen kann.
  • Südländische Kräuter wie Thymian, Salbei, Weinraute, Lavendel, Basilikum, Oregano oder Ysop mögen sonnige Standorte.
  • Viele Kräuter sind mehrjährig, z.b. Estragon, Lavendel, Salbei, Schnittlauch oder Pfefferminze. Andere wie Dill oder Boretsch säen sich oft selbst aus. Und Liebstöckel, Thymian, Oregano und Zitronenmelisse lassen sich durch die Teilung des Wurzelstocks vermehren. So braucht man diese Pflanzen nicht jedes Jahr neu kaufen.
  • Gut duftende Kräuter kannst du in der Nähe von Sitzplätzen hinstellen. Dafür eigenen sich Lavendel, Kamille, Minze, Currykraut, Rosmarin, Salbei oder Basilikum gut.
  • Bei einer sehr üppigen Ernte, kann man die Kräuter für den Winter einfrieren. So erhalten sich Geschmack und Wirkung am Besten. Viele Küchenkräuter kann man auch wie einen Blumenstrauß zusammengebunden kopfüber an einem luftigen Ort trocknen (z.B. Majoran, Thymian, Rosmarin).

 

Obst & Gemüse – Selbst gezogen schmeckt am Besten

Das Gemüse in den heimischen Supermärkten kommt oft von weiter her. Doch wer möchte schon Gurken aus spanischen Feldern essen, oder Tomaten, die zum Teil nie Erde gesehen haben? Den Unterschied schmeckt man. Selbst angebaute Kartoffeln und Tomaten schmecken doppelt so gut. Nebenbei kann man bei der Arbeit mit den Pflänzchen vom Alltag abschalten und sieht jeden Tag, wie die Pflanzen ein Stück weiter gewachsen sind. Hinzu kommt die Vorfreude, wenn man das Gemüse schließlich ernten darf – ein Fest für Körper und Geist.

Sehr gut geeignet für den Balkon sind Tomaten, Paprika, Chilis, Radieschen oder Erdbeeren. Aber auch Kartoffeln oder Karotten kannst du auf kleinem Raum anbauen, wenn du ein paar Tricks beachtest.

 

Tomaten

Aussaat: ab Mitte März
Ernte: Juni bis Oktober

Bild: Peter Smola/pixelio.de

Gib die Samen in eine Schale mit Erde und bedecke sie locker mit einer Schicht Erde. Am Besten gedeihen sie auf einer Fensterbank an einem sonnigen Fenster. Wenn die Pflanze 4 bis 5 Blätter hat, kannst du jede in einen einzelnen Topf oder einen Kübel setzen.
Achte beim Gießen darauf, dass du das Wasser nicht über die Pflanze und die Blätter gießt. Das mögen Tomaten gar nicht.
Ab Mitte Mai kannst du die Tomaten auf den Balkon stellen. Wenn sie groß genug sind, stütze sie mit einem Stab. Nach etwa einem Monat kannst du sie zum ersten Mal düngen.
Für eine reiche Ernte ist es bei Tomaten wichtig, sie auszugeizen. Geiztriebe sind die Seitentriebe, die aus den Blattachseln wachsen. Brich sie mit dem Finger vorsichtig ab (nicht mit einem Messer, sonst verletzt du die Pflanze), sobald du sie bemerkst. Etwa zwei Mal pro Woche kannst du nach Geiztrieben schauen.
Ab Ende August kannst du die noch vorhandenen Blüten entfernen. Die Tomaten, die aus ihnen wachsen würden, haben dann nicht mehr genug Zeit, um zu reifen. Da kann die Tomatenpflanze ihre Energie besser für die schon bestehenden Tomaten nutzen.

Eine tolle Beilage: Geschmorte Tomaten

 

Paprika

Aussaat: März
Ernte: Juli
Um Paprika anzubauen, kannst du den Winter über die Samen von gekauften Paprika-Arten sammeln. Wässere sie im späten Winter (Februar bis Ende März). Nach ein paar Tagen sind die Samen aufgequollen. Setze sie in kleine Töpfe an. Wenn die Setzlinge 4 bis 6 Blätter haben, kannst du sie umsetzen. Im letzten Drittel des Frühlings kannst du die Pflanzen in Kübeln auf den Balkon stellen.
Aus den ausgereiften, roten Paprikaschoten kannst du neue Samen für das kommende Jahr sammeln.


Radieschen

Radieschen

Bild: Angelina Ströbel/pixelio.de

Auch Radieschen lassen sich im Balkonkasten anbauen. Achte darauf, dass du eine Sorte mit runden Knollen anbaust. Längliche Knollen gedeihen nicht so gut. Radieschen sind gerne im Halbschatten. Lass bei der Aussaat 3 bis 4 cm Abstand zwischen den Samen. Dann wachsen in vier bis acht Wochen 3 cm dicke Knollen heran.

 

 

Kartoffeln

Sogar Kartoffeln kannst du auf deinem Balkon ernten! Du brauchst dazu nur einen hohen, dunkelwandigen Kübel. Fülle ihn mit einer Drainageschicht von 10 cm aus Kies, gefolgt von 15 cm Erde. Darauf lege 3 bis 4 Pflanzkartoffeln. Sorge dafür, dass diese immer feucht gehalten werden. Wenn die Keime 10 cm lang sind, bedecke sie mit Erde, bis nur die Blattspitzen zu sehen sind. Wiederhole das, bis das obere Ende des Topfes erreicht ist. Nach etwa 100 Tagen sind die Kartoffeln erntereif.

Schnell, günstig und gut: Kartoffelspalten im Ofen

 

Pflanzenraritäten von Arche Noah

Wem die herkömmlichen Sorten schon zu langweilig sind und wer sich gerne an etwas Neuem versuchen will, kann sich Pflanzenraritäten von Arche Noah besorgen, der Gesellschaft zur Erhaltung und Entwicklung von Kulturpflanzenvielfalt. Jedes Jahr gibt es in Wels und Linz einen Pflanzenmarkt, wo man vorgezogene Pflanzen kaufen kann. Auch über den Online-Shop kann man Samen für Afrikanische Stachelgurken, Schotenpfeffer, Chinesische Wachtelbohnen und vieles mehr bekommen.



2 Antworten auf Gärtnern ohne eigenen Garten

  1. Jan sagt:

    Super Post, ich komme auf jeden fall regelmaessig

  2. Hauke sagt:

    Bin eben das erste mal auf die Seite gekommen. Gefaellt mir sehr.

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