Was Kinder brauchen

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An einer Hand abzählen kann man, was Kinder zum Aufwachsen brauchen. Familientrainer Hermann und Sigrid Lang verwenden das Sinnbild der Hand, um zu erklären, dass Liebe und Zeit, Körper- und Augenkontakt genauso wie Zuhören und Grenzen setzen wichtig sind.   Worauf sollen wir als Eltern besonders achten, damit sich unsere Kinder gut entwickeln können? In einer unüberschaubaren Vielfalt an pädagogischen Ansätzen und Ratgebern ist es nicht immer einfach, einen Weg zu finden, der zum eigenen Elternsein passt. Es kann sehr tragend sein, Ideale zu entwickeln. Was ist uns besonders wichtig? Wo möchten wir hin mit unserer Erziehung und Beziehung? Manchmal ist es jedoch eine Herausforderung, die eigenen Ideale in konkrete Handlungen zu übersetzen. Eine Orientierung für das tägliche Miteinander kann sehr handfest sein. In einem Vortrag der Familientrainer Hermann und Sigrid Lang wurde ein schönes Bild dazu vermittelt: unsere Hand. Was ist heute wichtig? Handfläche: Liebe und Zeit Die Handfläche ist der größte Teil unserer Hand. Ebenso sind Liebe und gemeinsame Zeit das größte Geschenk an unsere Kinder. Wie du deine Liebe für dein Kind spürbar machen kannst, ist eine Überlegung wert. Denn manchmal tun wir etwas aus Liebe, für das Kind ist das aber durch unser Tun nicht spürbar. Vielleicht ist es ein Zeichen deiner Liebe und Fürsorge, für euch ein gutes Essen zu machen. Das Kind, das dir gerade seinen hohen Bausteine-Turm zeigen wollte, wird eine Ablehnung, weil du mit Kochen beschäftigt bist, aber nicht als Zeichen der Liebe empfinden. Daumen: Körperkontakt Je jünger ein Kind, desto mehr ist es auf körperliche Zuwendung angewiesen. Die Art und das Ausmaß, wieviel Körperkontakt du und dein Kind habt, werden sich mit seinem Wachstum verändern. Ein Kleinkind, das seinen sicheren Hafen kennt, sucht das Abenteuer auf eigene Faust, wird aber immer wieder zum Andocken und Kuscheln zurückkehren. Bei älteren Kindern wird eine Umarmung vielleicht seltener, die Berührungen verändern sich aber: eine ruhige Hand auf dem Rücken zu spüren, mal ein Stück an Papas Hand spazieren zu gehen oder ein körperbetontes Spiel können ebenso Zuwendung vermitteln. Wichtig ist, dass es für beide passt. Zeigefinger: Augenkontakt Hand aufs Herz: Wie häufig schauen wir unserem Gegenüber im Gespräch eigentlich wirklich in die Augen? Wie oft ertappe ich mich selbst dabei, neben einer Beschäftigung mit meinem Kind über etwas zu sprechen, anstatt mich voll zuzuwenden. Dabei macht guter Augenkontakt eine viel tiefere Verbindung möglich. Eine spannende Übung kann sein, täglich den FIS-Blick anzuwenden: „Fünf intensive Sekunden“ Blickkontakt halten. Du vermittelst damit: Ich sehe dich! Mittelfinger: Zuhören Gutes Zuhören ist wie ein Filter: die eigenen ersten Reaktionen zwar innerlich wahrnehmen, aber zurückhalten und stattdessen Raum gewinnen dafür, worum es meinem Kind eigentlich geht. Was bewegt es gerade? Welche Gefühle sind da? Was braucht es eigentlich? Durch Nachfragen kannst du dir ein detailliertes Bild machen oder dein Kind zu einer neuen Sichtweise anregen, Wertungen behältst du eher für dich. Zentral sollte sein, wie dein Kind eine Situation erlebt. Ringfinger: Reden, Ermutigen Selbstverständlich ist es wertvoll, viel mit unseren Kindern über die Welt zu sprechen. Die Position des Redens beim Ringfinger zeigt jedoch, dass wir Liebe zuerst auf anderen Kanälen spüren können. Möchtest du deinem Kind eine Rückmeldung geben? Loben oder tadeln, brav oder schlimm – diese Bewertungen greifen zu kurz und sind für ein Kind nicht fassbar. Benenne Fortschritte und Bemühen. Und zwar ganz konkret: „Du hast die Äste so fein gezeichnet, man erkennt jedes einzelne Blatt.“ Anstatt: „Wow, so ein schönes Bild!“ Spürst du den Unterschied? Kleiner Finger: Grenzen setzen Gibt es klare Regeln in überschaubarer Zahl, können Kinder sich am besten daran orientieren. Manche dürfen flexibel sein, manche sind fest. Immer sollten sie zum Entwicklungsstand der Kinder passen und die Kinder werden in das Aufstellen der Familienregeln einbezogen. Eine positive Formulierung stellt in Aussicht, was angestrebt wird, z.B. „Wir fragen, wenn wir etwas von jemanden ausborgen möchten.“ Für mehr Freude im Leben mit Kindern! Katharina Maderthaner, MSc (Counseling) katharina.maderthaner@gmx.net


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