Kinderbetreuung: Was Jugendliche darüber denken

 

2 kinder als Zeichnung

Kindheit: Hauptsache glücklich Bild: 2-Kinder-dip.fotolia.jpg

Eltern machen sich viele Gedanken um die Kinderbetreuung. Wir diskutieren, ob man die Kinder drei Jahre lang in den Kindergarten geben soll, oder besser doch selbst zuhause bleibt, ob eine Tagesmutter vertretbar ist und welche Art der Betreuung für das Kind am Besten ist. Im Rahmen einer Studie wurden nun auch Jugendliche befragt.

Die Aufgabenstellung war denkbar einfach: Jugendliche sollten ganz nach ihrer persönlicher Erinnerung und Einschätzung darlegen, wie sie selbst betreut wurden. Die Betreuungs-Phasen teilten sich dabei in vier Abschnitte zwischen 0 und 14 Jahre. Abgefragt wurde, ob die Jugendlichen sich wohl gefühlt haben, ob sie genügend Kontakte entwickeln konnten, die örtlichen Gegebenheiten gepasst haben und ob sie das Gefühl hatten, dass sie ihre eigenen Talente entfalten konnten.

Ergebnisse: Im Altersabschnitt 0 bis 3 Jahre bevorzugen alle Befragen die Betreuung durch die eigenen Eltern. Über alle Altersgruppen hinweg beurteilen die Jugendlichen ihr Verhältnis zu den Eltern als sehr positiv. Auffallend ist, dass das Verhältnis zur Mutter und zum Vater sich sehr gleichbleibend entwickelt: Es verschlechtert sich vom Kleinkindalter bis hin zur Pubertät, und verbessert sich wiederum bis zum Erhebungszeitpunkt.

Die Berufstätigkeit der Mutter hatte keinen Einfluss darauf, wie das Verhältnis der Jugendlichen zur Mutter in der Kindheit rückblickend erlebt wird. Wer als Kind von seinem Vater betreut wird, hat auch im gesamten Betreuungsverlauf ein besseres Verhältnis zu ihm, so das Ergebnis der Befragung. Die Betreuung im Kindergarten wird durchwegs positiv erlebt, fällt aber gegenüber den Eltern leicht ab.

Nach den eigenen Präferenzen gefragt, ergibt sich ein eher konventionelles Familienbild: Jugendliche würden ihre eigenen Kinder eher selbst zu Hause betreuen und Kindergarten an zweite Stelle setzen. Das gleiche gilt auch für die späteren Zeitabschnitte: Für die Schulzeit zwischen 6 bis 10 und 10 bis 14 Jahren steht die Mutter als Betreuungsperson an erster Stelle der Zufriedenheit.

 

Betreuungsform nicht wirklich relevant

Mutter mit Kind in der Blumenwiese

Bild: Lucie Kärcher/pixelio.de

Interessant ist die Erkenntnis, dass die kindliche Entwicklung zwar auch von der Betreuungsform geprägt wird. Es ist also nicht egal, ob das Kind drei Jahre zu Hause von der Mutter oder im Kindergarten betreut wird. Aber: Mehr Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben Faktoren wie stabile familiäre Beziehungen (vor allem zur Mutter) sowie familiäres Einkommen. Dasselbe gilt für psychosoziale, sozioökonomische und soziokulturelle Faktoren.

Trotzdem stellen die Wissenschaftler Qualitätskriterien von öffentlichen Betreuungseinrichtungen nicht in Abrede und betonen ihre Wichtigkeit.

 

Die Studie zum Download

Kinderbetreuung aus der Sicht von Jugendlichen

Wie erlebten Jugendliche ihre eigene Betreuungssituation?

Autoren: Andreas Baierl + Sabine Buchebner-Ferstl + Michael Kinn

Österreichisches Institut für Familienforschung der Universität Wien

 

Isabel Höglinger



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