Nicht spielend, aber stehend: Mehr Energie für Büro und Schule

Ganz automatisch setzen wir uns gleich auf den Bürostuhl, wenn wir in der Arbeit ankommen. Hast du schon einmal daran gedacht, deinen Sessel einfach sitzen zu lassen? (Foto: Stefan Bayer/pixelio.de)

Ganz automatisch setzen wir uns gleich auf den Bürostuhl, wenn wir in der Arbeit ankommen. Hast du schon einmal daran gedacht, deinen Sessel einfach sitzen zu lassen? (Foto: Stefan Bayer/pixelio.de)

Der Steh-Arbeitsplatz steht oft bei der Diskussion um den ergonomischen Arbeitsplatz im Abseits. Wir tauschen den bequemen Sessel mit Armlehne gegen einen Sitzball, der uns unter dem Allerwertesten wegzurollen droht, verfrachten den Arbeitstisch nach Feng Shui ans andere Ende des Raumes, um die Tür immer im Blick zu haben, kaufen LED-Lampen mit genau der richtigen Lichtmenge, etc. Aber den Bürosessel einfach mal sitzen zu lassen – das fiele uns im Traum nicht ein.

Der Gedanke hat schon einen mühsamen Touch: Den gemütlichen Sessel im Abseits stehen lassen? Beim Arbeiten? Und das den ganzen Tag lang? So mancher fragt sich, was dabei heraus kommen soll, außer dass man sich die Beine in den Bauch steht. Tatsächlich gibt es aber schon viele Firmen, die auf Steh-Arbeitsplätze umgerüstet haben. Das heißt jedoch nicht, dass alle dort den ganzen Tag herumstehen müssen. Vielmehr ist es ein zusätzliches Angebot, einen Teil der Arbeit im Stehen zu verrichten. Tätigkeiten, die sich dafür eignen, gibt es zuhauf: telefonieren, die Post bearbeiten, lesen, etc.

Schon Ärzte empfehlen für ein gesundes Arbeiten – und dazu gehört bei SchülerInnen auch das Lernen – ein „dynamisches Sitzen“. Das bedeutet nichts anderes, als sitzen und stehen abzuwechseln. Denn beim Sitzen entspannt sich die Rückenmuskulatur und die Wirbelsäule muss das eigene Gewicht tragen, was zu Rückenschmerzen führen kann. Beim Stehen wiederum strafft sich die Rückenmuskulatur – ist diese gut trainiert, wird die Wirbelsäule entlastet. Durch den möglichst häufigen Wechsel von sitzender und stehender Tätigkeit wird die Rückenmuskulatur fast unmerklich trainiert und die Wirbelsäule muss nicht ständig die Arbeit der Muskulatur übernehmen. Verspannungen und chronische Fehlhaltungen werden so vermieden. Und: Stehen hilft beim Kampf gegen den „Sitzbauch“. Zu langes Sitzen macht dick, da sich im Sitzen die zur Fettverbrennung öntigen Enzyme nicht entfalten können. Schon alleine deswegen sollte man untertags öfter zwischen Sitzen und Stehen wechseln.

Genau daher gibt es auch in Büros die Steh-Arbeitsplätze. Jede/r MitarbeiterIn hat einen Schreibtisch, kann jedoch für geeignete Arbeiten auf den Steh-Arbeitsplatz ausweichen. Gerade für monotone Tätigkeiten wie das Lesen längerer Texte eignet sich dies – im Stehen bleibt man länger konzentriert und driftet nicht so schnell ab.

Nachdem dieses Wissen in manchen Firmen schon angekommen ist, bleibt noch offen, wann das dynamische Sitzen auch die Schulen erreicht. Dass SchülerInnen oft stundenlang sitzen müssen, ohne dazwischen signifikant Bewegung zu bekommen, ist für ihre Konzentration genauso wenig zuträglich. Aber zumindest in den eigenen vier Wänden kann man dafür sorgen, dass die eigenen Kinder – oder auch man selbst – hin und wieder im stehen lernen bzw. arbeiten.

Ein paar Grundregeln für einen Steh-Arbeitsplatz:

  • Die Körperhaltung soll aufrecht sein, die Oberarme senkrecht nach unten. Zwischen Ober- und Unterarm soll ein rechter Winkel (oder größer) sein.
  • Kopf- und Blickneigung addiert sollen ca. 30 bis 35 Grad ergeben.
  • Der Tisch soll höhenverstellbar sein. Ideal ist ein Höhenverstellbereich von 65 bis 125 cm.
  • Eine einfach zu bedienende, sanft anfahrende Höhenverstellung soll möglich sein.
  • Ein eingebauter Kollisionsschutz sollte erkennen, wann die Tischplatte irgendwo anstößt (vor allem nützlich, wenn Kinder im Haus sind).

Eines müssen wir uns aber bei aller Liebe zum Stehen eingestehen: Andauernde Stehbelastung bedeutet, dass wir mehr Muskelarbeit brauchen, um die Körperhaltung aufrecht zu erhalten. Auch der Kreislauf wird stärker beansprucht. Deshalb soll der Hauptteil der täglichen Arbeitszeit im regelmäßigen Wechsel von Sitzen (60%), Stehen (30%) und Gehen (10%) bestehen. 

Mehr über den Steh-Arbeitsplatz sowie sechs schnelle Übungen, wie du zu einem schnellen Energiekick beim Arbeiten kommst.

Gastbeitrag



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