Karenz – Wer? Wann? Wie lange?

Vater mit 2 kleinen Kindern

Stefan Kaineder genießt die Zeit mit seinen Kindern

Seit der Reform des Kinderbetreuungsgeldes im Jänner 2010 gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich die Karenzzeit nach der Geburt eines Kindes ein- und aufzuteilen. Eine Beteiligung beider Elternteile ist zur vollen Bezugslänge sogar verpflichtend geworden. Zu einem Ansturm der Väter hat das aber nicht geführt. Insgesamt nehmen weniger als fünf Prozent die Möglichkeit einer Karenz auch wirklich wahr.

Stefan Kaineder ist Vater zweier Kinder und seit fast einem Jahr in Vaterkarenz. Ein Tabubruch ist das in seinen Augen zwar nicht mehr, dass er der einzige Vater bei den Spielgruppentreffen in der Gemeinde ist, ist ihm aber schon aufgefallen. „Für uns war die Entscheidung aus pragmatischer und aus ideologischer Sicht sinnvoll.“ Erzählt der Jungvater. „Einerseits ist meine Frau Sängerin in einem Vokalensemble und da kannst du nicht einfach zwei-drei Jahre pausieren. Entweder singen alle vier Ensemblemitglieder, oder die mühsame Arbeit im Vorfeld ist dahin und du kannst danach wieder von vorne anfangen. Dazu kommt, dass ich für meinen Arbeitgeber nicht der erste Karenzvater war und das auch sehr unterstützt wurde.“ Durch die Einkommensabhängige Bezugsvariante sei es auch nicht so tragisch, dass das Einkommen einer Künstlerin meist nicht wirklich üppig ausfällt. „Auf der anderen Seite haben wir beschlossen, uns die Karenzzeiten gleichmäßig aufzuteilen. Bei unserer älteren Tochter war meine Frau den Großteil der Karenzzeit zuhause und ich nur zwei Monate, bei unserem Kleinen machen wir das umgekehrt.“

Geld und Akzeptanz spielen eine große Rolle

Immer wieder begegnen ihm in der Diskussion mit anderen Vätern zwei Argumente, die viele davon abhalten, bei den Kindern zuhause zu bleiben. „Geld ist ein großes Thema. Wenn der Vater viel mehr verdient als die Mutter, gefährdet eine Karenz auch den eigenen Lebensstil. Natürlich muss man Verbindlichkeiten bedienen können und auch sonst braucht man zum Leben schon einiges an Geld. Wir haben uns aber dazu entschlossen, dass in dieser Zeit eben keine großen Anschaffungen getätigt werden und dass das auch nicht die Zeit des Sparens ist. Im Gegenteil,  wenn wir in diesen zwei-drei Jahren ein bisschen was von unserem Erspartem brauchen, dann ist das gut investiertes Geld“, ist Stefan Kaineder überzeugt. Viel heikler sei für viele Männer die Frage nach der Akzeptanz des Arbeitgebers und des sozialen Umfelds. Gerade in den klassischen Männerberufen wären viele Väter die ersten in der Firma, die einen solchen Schritt wagen. „Das ist dann natürlich ein Wagnis, da springst du ins kalte Wasser. Ich habe das oft in Gesprächen erlebt, dass das wahrscheinlich die größte Hürde ist. Ich kenne aber ein Bespiel, wo sich der Sprung ins kalte Wasser gelohnt hat. Mein Schwager ist Betriebselektriker bei einem Unternehmen in der Linzer Großindustrie. Dort hat noch nie jemand vor ihm eine Vaterkarenz beantragt und er hatte monatelang ein mulmiges Gefühl. Als er aber seinem Chef schlussendlich von seinem Plan erzählt hat, war der begeistert. Er hat sich gefreut, dass das in der Firma einmal einer ausprobiert.“

Kreativität und Phantasie sind gefragt

Für Kaineder braucht es für die Gestaltung der Karenz in der Familie vor allem Kreativität und Phantasie. „Natürlich bringen die Karenzjahre einiges an Belastungen mit sich. Für die Nerven, den Geldbeutel und die Beziehung der Eltern. Aber wenn man sich von der Phantasie der Kinder ein wenig inspirieren lässt, dann kommt man zu den besten Lösungen.“ Er jedenfalls genieße die Zeit mit den Kindern und ist davon überzeugt, dass die Karenzzeit ihm auch wertvolle soziale Kompetenzen lehrt, die er später im Beruf wieder einbringen kann.

Infos zum Kinderbetreuungsgeld



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