Musik hebt die Stimmung - und trägt langfristig zum guten Leben bei. (Jörg Brinckheger / pixelio.de)

Musik hebt die Stimmung – und trägt langfristig zum guten Leben bei. (Bild: Jörg Brinckheger / pixelio.de)

Wenn im Radio ein flottes Lied läuft, lassen wir uns gerne zum Mitsingen anregen. Das macht Stimmung – und mehr. Laut Musiktherapeut Wolfgang Bossinger hilft das Singen u.a. bei Depressionen, SchmerzpatientInnen und auch in der Kindesentwicklung.

Singen ist heilsam, weiß Musiktherapeut Wolfgang Bossinger. Leider trauen wir uns oft nicht, ein Lied anzustimmen und einfach frei von der Kehle zu singen. Zu oft erinnern wir uns an Pop-Stars und andere Profis, an die wir mit unserem laienhaften Singen nie rankämen – meinen wir zumindest. Doch eigentlich geht es beim Singen gar nicht darum; so wie bei jeder Aktivität, die wir einfach aus Freude machen.

Wir können dabei von den Kindern viel lernen. Sie malen, ohne dass die perfekte Mona Lisa herauskommen muss. Sie malen einfach, weil es ihnen Freude bereitet. Ähnlich ist es beim Singen. Man muss keinem Chor beitreten und CDs herausbringen, um die Kraft des Singens für sich zu nutzen. „Auch Singen im Alltag, z.B. unter der Dusche, kann dabei helfen, das seelische Gleichgewicht auszubalancieren“, weiß Wolfgang Bossinger. „Vielsingende Menschen sind ausgeglichener, weniger reizbar und selbstbewusster als Nicht-Singer. Wichtig ist ein Singen ohne Leistungsdruck – also Lieder zu singen, die einem Spaß machen.“

Dabei haben Frauen einen Vorteil. Mütter singen ihren Babys vor und stimmen gemeinsam mit ihren Kindern Lieder an. Diese Singkultur hat sich unter Frauen evolutionsbiologisch über Millionen von Jahre fortgesetzt. Dieses Singen war und ist für Kinder sogar lebenswichtig. Wiegenlieder, Trostlieder und der Singsang zwischen Müttern und Babys fördern die Gehirnentwicklung, Beziehungsfähigkeit und den Spracherwerb von Babys. Für Babys transportiert der mütterliche (und väterliche) Gesang Sicherheit, Liebe, Fürsorge und Anregung für die Entwicklung.

Unter Männern ist die Singkultur allerdings weitgehend verloren gegangen. Wenige Männer singen heutzutage in ihrer Freizeit rein aus Lust am Singen.

Um diese Kraft des Singens zu nutzen, gibt es in Krankenhäusern und Kindergärten bereits etablierte Singerunden. Im Krankenhaus soll dadurch der Heilungsprozess beschleunigt werden. Für Kinder ab dem Kindergarten kann das Singen helfen soziale Fähigkeiten, Mitgefühl und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Hierdurch fördert es indirekt die Gesundheit und wirkt gewaltpräventiv. Sozial vernachlässigte Kinder profitieren sogar noch mehr davon. „Es wäre politisch und wirtschaftlich intelligent, Kinder früh musikalisch zu fördern, als zu warten, bis sich die Folgen der sozialen Vernachlässigung durch Gewalt, Kriminalität und psychische Probleme bemerkbar machen“, ist Bossinger überzeugt.

Das Singen wirkt allerdings nicht bei jedem Menschen. Manche sprechen nicht besonders darauf an und treiben z.B. lieber Sport. Singen ist also kein Allheilmittel. Therapeutische Effekte treten besonders dann ein, wenn Menschen eine positive Erwartungshaltung haben. Wer keine Lust zu singen hat, profitiert eher von etwas anderem, das ihm Spaß macht oder an dessen Wirkung er mehr glaubt.

 

Singen bringt’s!

Die Gesangsforschung kennt zahlreiche positive körperliche wie seelische Wirkungen, die das Singen haben kann. Einige davon:

  • verlangsamt die Gehirnwellen, fördert die Entspannung
  • unterbricht den Strom der Alltagsgedanken.
  • erhöht die Herz-Kreislauf-Fitness – quasi „inneres Jogging“
  • schafft Zugang zu unseren Gefühlen, man findet die eigene Balance wieder
  • stabilisiert das seelische Gleichgewicht

 

Also: Wer regelmäßig singt, hat eine höhere emotionale Stabilität und Gelassenheit, ist ausgeglichener und kann besser mit Konfliktsituationen umgehen. Auf zum Da Capo!

Manuela Hoflehner