Wenn Kinder sich ausgegrenzt fühlen

Foto: Fotolia/gpointstudio

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Wie können Eltern ihrem Kind helfen, wenn es gehänselt wird? Damit beschäftigt sich Katharina Maderthaner in ihren Erziehungsfragen. „Das Hänseln war ursprünglich ein Initiationsritus und leitet sich von ‚in die Hanse-Gemeinschaft aufnehmen‘ ab.“ So wird auf wikipedia.org die Herkunft des Begriffes „Hän-seln“ beschrieben. Die Hanse war eine Vereinigung von Kaufleuten und neue Mitglieder hatten sich in Mutproben, dem Hänseln, zu bewähren um ihre Standhaftigkeit und Stärke zu zeigen. Jahrhunderte später verstehen wir als Hänseln Situationen wie: „Mama, sie haben schon wieder gesagt, dass ich ein kleiner Zwerg bin.“ Oder: „Die Mädchen haben mich wieder nicht mitspielen lassen.“ – Hat dein Kind dir auch schon auf ähnliche Weise sein Leid geklagt? Die Sicherheit der Gruppe Ob in der Familie, im Kindergarten, der Schule und im Freundeskreis – wir Menschen leben als soziale Wesen in Gruppen und brauchen die gegenseitige Unterstützung für ein gelingendes Leben. Einzelne Personen können durch Konflikte an den Rand der Gruppe gedrängt werden und sich ausgegrenzt erleben. Für Kinder fühlt sich das Ausgegrenzt-Werden besonders bedrohlich an. Sie sind stärker als Erwachsene auf die Unterstützung ihrer Gruppe angewiesen. Erlebnisse des Ausgegrenzt-Seins machen wir alle im Laufe unseres Lebens. Sie können für die kindliche Seele tief verletzend sein, besonders wenn sie längere Zeit andauern. Ein stabiles Selbstwertgefühl kann Kinder durch Ausgrenzungserfahrungen tragen. Wie kannst du dein Kind stärken? Ein gutes Selbstbewusstsein als tragendes Fundament Von seiner ursprünglichen Bedeutung hat das Gehänselt-Werden wohl eines behalten: Es ist eine Situation, in der das Kind „geprüft“ wird. Es kann auch eine Möglichkeit sein, zu sich stehen zu lernen. Überlege: Was schätzt du an deinem Kind? Wie nimmst du es wahr? Wo bemüht es sich? Sprich mit deinem Kind in wertschätzender Weise darüber.
  • Unterstütze die Stärken deines Kindes: Was kann es gut, wo leuchten seine Augen, wo zeigt es besonderen Einsatz? Schaffe Oasen, in denen dein Kind ganz unbeschwert Kind sein kann und wo es sich als fähig erlebt.
  • Wo du Schwächen wahrnimmst, fördere sie ohne sie über die Maßen zu betonen. Lass dein Kind spüren, dass es mit allem, was es kann, was es ist und was es nicht so gut macht, angenommen ist. Euer Zuhause darf ein sicherer Hafen für dein Kind sein.
  • Bei Ausgrenzungserlebnissen bleibe mit deinem Kind im Gespräch. Spür ohne Erwartungen und Lösungsdruck nach, was es mit ihm macht, wenn es zum Beispiel "Zwerg" genannt wird. Leidet es sehr darunter? Braucht es Ideen dafür, wie es vor den anderen Kindern damit umgehen kann? Oder wollte es sich einfach mal Luft machen, kann aber gut damit leben?
  • Mach dir ein Bild davon, wie das Kind mit Situationen umgeht, in denen es gehänselt wird. Welche Ideen hat es, wie es sonst noch reagieren könnte? Was braucht es von euch Eltern dazu? Unterstütze es, gelassener reagieren zu können. Denn oft ist nicht ein bestimmtes Merkmal Ziel des Hänselns, z.B. kleiner zu sein, sondern wie das betreffende Kind darauf reagiert.
  • Wenn die Hänseleien über einen längeren Zeitraum andauern und das Kind sehr belasten: Könnte ein Gespräch mit dem/der KlassenlehrerIn vielleicht unterstützend sein? Weite den Problem-Tunnelblick: Wofür schätzen oder bewundern andere Kinder dein Kind? Gibt es auch etwas Positives daran, z.B. kleiner zu sein?
  • Ihr könnt auch miteinander über eigene Erfahrungen sprechen: Welche Schwächen oder Unzulänglichkeiten habt ihr als Eltern - wie geht ihr damit um, ist das immer ein Nachteil und was macht euch sonst noch aus? Für mehr Freude im Leben mit Kindern!

Katharina Maderthaner, MSc (Counseling) katharina.maderthaner@gmx.net



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