Raus aus dem Begriffsdschungel

In Mehrstufenklassen sollen SchülerInnen verschiedener Schulstufen voneinander lernen. Foto: Fotolia/Ingo Bartussek

In Mehrstufenklassen sollen SchülerInnen verschiedener Schulstufen voneinander lernen. Foto: Fotolia/Ingo Bartussek

Mehrstufenklassen, jahrgangsübergreifender Unterricht, offene Unterrichtsformen - viele Eltern von schulpflichtigen Kindern sind mit solchen Begriffen konfrontiert ohne zu wissen, was sie genau bedeuten. Grünschnabel hat nachgefragt.

Mehrstufenklassen/Jahrgangsübergreifender Unterricht: Jahrgangsklassen werden aufgelöst und gemeinsam unterrichtet. Statt zum Beispiel des ersten und zweiten Schuljahres gibt es eine ein- bis dreijährige flexible Schuleingangsphase. Deren Ziel ist, Kinder individueller zu fördern. Leistungsstarke Schüler können den Lernstoff von zwei Klassen in einem Jahr absolvieren und Kinder, denen das Lernen schwerer fällt, können sich dafür bis zu drei Jahre Zeit nehmen. Somit verbleiben sie im gewohnten Klassenverband. Es werden offene Unterrichtsformen verwendet. Was spricht dafür? In den alters- und leistungsgemischten Gruppen lernen die Kinder nicht nur vom Lehrpersonal, sondern auch voneinander. Das soziale Miteinander und Lernen wird gestärkt. Möglicherweise ist der Leistungsdruck geringer. Schwierigkeiten? Dieser Unterricht erfordert Lehrpersonen, die auf diese Art des Unterrichts vorbereitet sind und noch mehr erzieherische Verantwortung übernehmen wollen als im Regelunterricht. Integration: Menschen mit Behinderung können mit Unterstützung allgemeine Schulen besuchen. Sie werden zum Beispiel durch SonderpädagogInnen betreut und so in eine Klasse integriert. Die grundsätzliche Annahme von verschiedenen Gruppen ist hier noch immer vorhanden. Inklusion: Kann als nächster Schritt nach erfolgreicher Integration verstanden werden. Jede Person wird individuell mit seinen Kompetenzen und Schwächen wahrgenommen. Die Vielfalt wird geachtet und die Heterogenität (Verschiedenheit) der SchülerInnen im Unterricht konstruktiv eingesetzt. Offenes Lernen – offener Unterricht: Im Mittelpunkt steht eine starke Schülerzentrierung sowie selbstbestimmtes Lernen. Dabei entscheiden die Lernenden selbst, was sie wann, wo, wie und mit wem gemeinsam erlernen möchten. Die Lehrperson sorgt für die Lernatmosphäre, strukturiert, gibt Impulse, verfolgt den Lernfortschritt und behält den Bezug zum Lehrplan im Auge. Die historischen Wurzeln liegen im Ende des 19. Jahrhunderts und im Gedankengut von Jean-Jacques Rousseau zur Erziehung und seinem ganzheitlichen Bildungsideal. In der Praxis heißt offenes Lernen freies Arbeiten, Wochenplan, Stationenbetrieb, Werkstätten, … Teamteaching: Zwei oder mehrere Lehrpersonen planen und führen den Unterricht gemeinsam durch. Diese Form des Unterrichts wurde für Integrations- und Inklusionsklassen entwickelt. Sie soll den Unterricht mit mehr Perspektiven- sowie Methodenvielfalt und unterschiedlichen Anregungen erweitern und eine stärkere Differenzierung sowie Individualisierung im Unterricht ermöglichen.

Daniela Christl



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