Von HutmacherInnen und FitnesstrainerInnen

Im Laufe der Zeit hat sich die Gewichtung der einzelnen Lehrberufe stark verändert.

Frau am Laptop

Bild: Cornelia Menichelli/pixelio.de

Wenn die Urgroßmutter eine feine Dame war, dann ging sie vielleicht hin und wieder zu einer Modistin und kaufte sich einen Hut. Modistin war bis in die 60er Jahre ein gängiger Beruf, den heute kaum noch jemand kennt. Wenn man der Urgroßmutter heute aber von der Lehre als FitnesstrainerIn erzählen würde, hätte sie keine Ahnung, wovon man redet.
Viele Lehrberufe gibt es nicht mehr, weil in unserer Gesellschaft dafür kein Bedarf mehr ist. KürschnerIn, GlaserIn, MesserschmiedIn – diese HandwerkerInnen wurden längst durch Maschinen ersetzt.

Überraschenderweise gibt es aber noch PosamentiererInnen, die sich mit der Herstellung von Schnüren, Bändern und Kordeln befassen, oder BüchsenmacherInnen, die Waffen herstellen, oder GerberInnen, die Lederprodukte fertigen. Auch für FassbinderInnen findet sich offensichtlich ein Markt. In der Liste der in Österreich anerkannten Lehrberufe kann man einige Berufe entdecken, die ein Produkt der Moderne sind: Gartencenterkaufleute, FertigteilhausbauerIn oder Mobilitätsservice-Kaufleute, die in Verkehrsunternehmen KundInnen beraten. Traditionelle – und gleichzeitig heute absolute Nischenberufe – sind z.B. Harmonika-MacherIn, LebzelterIn und WachszieherIn, BinnenschifferIn, OrgelbauerIn oder PorzellanmalerIn.

Hier findest du alle 205 Lehrberufe in Österreich von AnlagenelektrikerIn bis Zinngießerin.


Wer entscheidet sich für welchen Lehrberuf?

Die Mehrheit der Jugendlichen ist in der Berufswahl nicht sehr kreativ. Auf die 50 häufigsten Lehrberufe entfallen rund 82 Prozent der Lehrverhältnisse. Der mit Abstand häufigste Lehrberuf ist „Einzelhandelskauffrau/-mann“ mit mehr als 15.200 Lehrlingen, gefolgt von KraftfahrzeugtechnikerIn, Bürokauffrau/-mann, FriseurIn, Köchin/Koch und ElektroinstallationstechnikerIn.
Quelle: Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft

Bild: Marco BarnebeckTelemarco/pixelio.de

Schade eigentlich, denn man kann davon ausgehen, dass nicht alle Jugendliche, die diese Lehren begonnen haben, sich damit tatsächlich ihren Wunschtraum erfüllt haben. Jedenfalls ist daraus zu schließen, dass weiter starker Informationsbedarf  herrscht und dass offensichtlich bei der Berufswahl nicht nur rational entschieden wird. Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen eine Berufswahl getroffen werden sollte.
Dazu empfehlen wir z.B. diesen Online-Berufswahltest des AMS

An erster Stelle steht natürlich die Begabung und besondere Leidenschaft des/der Jugendlichen. Wer sich noch nicht sicher ist, sollte bereits als SchülerIn in den Ferien so oft wie möglich schnuppern. Ein paar Tage in einem Betrieb mitzuhelfen eröffnet ganz neue Eindrücke und revidiert klischeehafte Vorstellungen über einen Beruf. Berufsmessen und Online-Informationen geben theoretische Grundlagen, reichen aber noch nicht aus, um eine Entscheidung für die nächsten 40 Lebensjahre zu fällen. Wer sich für eine Lehre interessiert, sollte wissen, wieviel Gehalt ihn als Ausgelernter erwartet, welche Karriere-Chancen der Beruf bietet und wie groß die Zahl der Arbeitsplätze ist. Doch auch ein Nischenberuf kann sinnvoll sein.

Im Nischenberuf glücklich werden?

Dame mit Hut

Bild: Subbotina Anna/Fotolia.com

Für musisch und handwerklich Begabte, die bereit sind, für den Arbeitsplatz auch mobil zu werden, ist vielleicht der Lehrberuf MusikinstrumentebauerIn das richtige, auch wenn es hier nicht viele Arbeitsplätze gibt. Mit Engagement und Liebe zur Sache wird jede/r den eigenen Weg finden. Wer sich traut, seine Leidenschaft für Süßes zum Beruf zu machen, sollte Bonbon- und KonfektmacherIn werden, auch wenn das Arbeitsplatzangebot sicher nicht sehr groß ist und der Verdienst möglicherweise gering. Bei diesem wie einigen anderen Ausbildungen könnte das Ziel die Selbstständigkeit werden. Mit dem richtigen Riecher für Trends am Markt kann auch mit außergewöhnlichen Berufen ein erfolgreiches Geschäftsmodell auf die Beine gestellt werden.

Am Ende zählt der Spaß an der Arbeit, Anerkennung und die persönliche Zufriedenheit. Damit das erreicht wird, sollte man sich viel Zeit für die richtige Entscheidung nehmen.

Trotz starker Bemühungen der Wirtschaft und der Politik, Mädchen in technische Berufe zu holen, gibt es nach wie vor klassische weibliche Berufe wie Verkäuferin und Frisörin.

Der Folder „Bringt´s die Lehre?“ vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft soll Lust auf die Lehre machen.

Hier gibts zusätzliche Informationen für die Berufswahl der Mädchen.



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