Au-Pair: das Herz an zwei Orten

Auf die Frage, wo für sie nach einem langem Aufenthalt als Au-Pair ihre Heimat sei, antwortet Natalie: „Muss ich mich denn entscheiden? Es ist doch viel schöner, sein Herz an zwei Orten zu haben!”

Au-Pair: Gruppe Jugendlicher zeigt auf Globus

Bild: shootingankauf - Fotolia.com

So wie Natalie, die nach drei Monaten als Au-Pair in England gleich für immer dort blieb, geht es natürlich nicht jedem. Für die Schweizerin erfüllte sich der Idealfall: eine wunderbare Gastfamilie, faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung, schöne Umgebung und ein Zurechtkommen mit der Mentalität und Kultur der Engländer.

Was bringt ein Au-Pair-Aufenthalt eigentlich?
In erster Linie geht es um das Erlernen einer Sprache bzw. das Vertiefen einer bereits gelernten Sprache wie Englisch. Gleichzeitig dient die Zeit der persönlichen Entwicklung, dem Kennenlernen einer anderen Kultur und häufig auch dem Überbrücken der Zeit zwischen Schule und Universität oder Beruf. Die meisten Au-Pairs sind im Alter zwischen 18 und 25 Jahren und verbringen dann zum ersten Mal eine richtig lange Zeit allein, getrennt von Familie und Freunde.

Australien, Japan oder Südafrika?
Welches Land welche Vorteile oder besonderen Highlights bietet, kannst du auf dieser Website lesen. Kinderwagen schieben unterm Eiffelturm? Oder Portugiesisch lernen im Land des Zuckerhuts- Brasilien? Du solltest dich fragen, wieviel Kulturveränderung du möchtest. Und, je weiter du weg fährst, desto seltener wirst du auf Heimatbesuch fahren oder Besuch bekommen können.In Mittel- und Südamerika suchen meist nur Familien aus der Oberschicht Au-Pairs. Hier solltest du möglichst auch Englisch können. Au-Pair-Programme gibt es hier nicht, aber der kulturelle Mix und die landschaftliche Vielfalt kann ein besonderer Reiz sein, es dort zu versuchen.
In Italien erwarten dich meist sonniges Wetter, schöne Badestrände und kulturell interessante Städte. Die südliche Mentalität allerdings könnte im Alltag manchmal problematisch werden. Hier solltest du auf deine Rechte bestehen, was Arbeitszeit, Lohn und Vereinbarungen betrifft. In den USA ist alles staatlich geregelt und für deine Rechte wird gesorgt. Du brauchst hier unbedingt eine offizielle Agentur, sonst bist du illegal im Land.

Bedenke auch die möglicherweise lange Anreise, wenn es in einen anderen Kontinent geht. Traust du dir das zu?
Sich an die Gastfamilie zu gewöhnen und mit den neuen Gegebenheiten zurechtzukommen erweitert den Erfahrungshorizont. Ein Sprachkurs bietet die Möglichkeit, der erlernten Sprache noch den richtigen Schliff zu geben. Für den Lebenslauf und berufliche Chancen ist die Zeit in jedem Fall ein Gewinn.

Die Gastfamilie
Für die Gastfamilie steht im Vordergrund, für Kinderbetreuung und Hausarbeit eine preiswerte Alternative zu Kindermädchen und Haushaltshilfe zu finden. Damit beide Seiten keine Enttäuschung erleben, solltest du Rechte und Pflichten in einem Vertrag und intensiven Gesprächen vorher genau abklären. In einigen Agenturen sind für die Bewerbung als Au-Pair Referenzen für bisher getätigte Kinderbetreuung erforderlich. 

Mein Au Pair versteht mich nicht
Sprachkenntisse sind in jedem Fall empfehlenswert, denn ohne Verständigung ist es in der Gastfamilie sehr mühsam. Wenn du die neue Sprache noch nicht so gut beherrschst, solltest du auf jeden Fall bereit sein, täglich etwas dazu zu lernen, damit es dir nicht so geht, wie Mercedes in England. Wenn du einfach losplauderst und möglichst viele Leute kennenlernst, wirst du bald wie die Einheimischen sprechen!

Taschengeld und mehr
Bezüglich des Taschengelds für Au-Pairs gibt es keine offiziellen Bestimmungen. Au-Pair-Agenturen empfehlen Gastfamilien ein Taschengeld zwischen 250 und 300 Euro monatlich für 30 Stunden pro Woche zu zahlen. Zusätzlich stehen dem Au-Pair freie Kost und Logis, das heißt ein eigenes Zimmer, auch im Krankheitsfall, zu.

Reisekosten, Urlaub, Sprachkurs
Nur in Ausnahmen tragen Gasteltern deine Reisekosten, so z.B. in der Schweiz. Urlaub musst du individuell vereinbaren. Plane genügend freie Zeit für dich ein, denn sonst wird der Aufenthalt zum reinen Arbeitsdienst. Mehr als 30 Stunden Arbeit solltest du nicht vereinbaren. Einen freien Tag am Wochenende solltest du mindestens verlangen. Ebenso auch freie Abende. Babysitterdienste gehören zur Arbeitszeit und sollten abgegolten werden.
In den USA gilt: Jedes Au-Pair hat mindestens 1,5 Tage die Woche und mindestens ein ganzes Wochenende im Monat frei sowie zwei Wochen bezahlten Urlaub im Jahr, allerdings darf die Arbeitszeit hier bis zu 45 Stunden betragen!
Da die Sprache im Vordergrund steht, nutze die Gelegenheit zum Besuch eines Sprachkurses. Die Kosten für den Sprachkurs musst du selbst tragen.

Vorbereitung

Für verschiedene Länder gibt es unterschiedliche Visa und Einreisebestimmungen. Für Neuseeland und Australien benötigst du ein „Working Holiday Visum“, das basiert auf dem Abkommen zwischen zwei Staaten und gestattet den Aufenthalt für kurze Praktikums- oder Au-Pair-Dienste. Innerhalb der EU und in der Schweiz kannst du als österreichisches Au-Pair ohne Visum einreisen, du musst dich nur vor Ort polizeilich melden.

In die USA kommst du als Au-Pair nur über einen J-1 Visums Sponsor. So ein Sponsor kann nur eine von 14 anerkannten Au-Pair-Agenturen sein. Diese regelt, dass die staatlichen Auflagen im Zielland eingehalten werden.

Damit hängen auch Bestimmungen für Krankenversicherung, internationaler Führerschein und Unfallversicherung zusammen. Als Au-Pair in den USA benötigst du auf jeden Fall einen Führerschein. Ob dein nationaler Führerschein ausreicht oder du einen internationalen Führerschein benötigst, kann dir ebenfalls deine Au-Pair-Agentur sagen. 
In der EU und in der Schweiz gilt: Wenn du länger als 3 Monate bleiben möchtest, musst du eine gültige Krankenversicherung besitzen und über genügend finanzielle Mittel verfügen, um deinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Das wichtigste ist immer: gültiger Reisepass!

Tipps für den Au-Pair-Aufenthalt

Über schlechte Erfahrungen mit ihren Gasteltern berichten hier Veronika, Alice und Agnieszka.

Au-Pair-Agenturen und weitere Infos

 

Ein interessanter Ratgeber-Blog zum Thema: auslandspraktikum-ratgeber.com



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